Hamburgs neuer Verkehrssenator nennt immer wieder eine Zahl – was meint er damit?

Hamburgs neuer Verkehrssenator Tjarks will den Platz, den die einzelnen Verkehrsteilnehmer auf ihren Wegen beanspruchen, insgesamt senken. Dazu nennt er immer wieder eine Kennzahl. Was hat es damit auf sich?
Ein Fahrradfahrer schlängelt sich durch einen Stau in Hamburg
Ein Fahrradfahrer schlängelt sich durch einen Stau in Hamburg
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Weniger Platz für jeden einzelnen! Das ist die zentrale Formel, mit der Hamburgs neuer Verkehrssenator Anjes Tjarks den zunehmenden Verkehr auf der gleichbleibend zur Verfügung stehenden Fläche in den Griff bekommen will. Jeder Verkehrsteilnehmer soll künftig weniger Platz auf Hamburgs Verkehrswegen verbrauchen, damit insgesamt mehr Menschen öfter und länger unterwegs sein können. Dabei dürfte er vor allem den Autoverkehr im Blick haben, der von allen Verkehrsmitteln die meiste Fläche pro beförderter Person beansprucht.

In verschiedenen Interviews hat der Verkehrssenator in diesem Zusammenhang immer wieder eine Zahl genannt, mit der seine Absicht untermauert hat: 70 Millionen Personenkilometer (hier).

Doch was meint der 39-jährige Grünen-Politiker damit genau und was sagt diese Zahl überhaupt aus? NahverkehrHAMBURG erklärt es:

Mit dieser Personenkilometer-Zahl wird die tägliche Verkehrsleistung in Hamburg gemessen. Sie sagt nicht aus, wie oft die Hamburgerinnen und Hamburg am Tag unterwegs sind und welche Verkehrsmittel sie dabei benutzen, sondern sie gibt Auskunft, wie viele Menschen insgesamt unterwegs sind und wie lang ihre Strecken dabei sind. Daran lässt sich also – vereinfacht gesagt – messen, wie mobil die Hamburgerinnen und Hamburger insgesamt sind. Zur Errechnung wird die Zahl aller beförderten Personen an einem Tag mit der Zahl der insgesamt zurückgelegten Kilometer multipliziert.

Die letzte große Erhebung dieser Art fand in Hamburg im Jahr 2017 durch die bundesweite Studie „Mobil in Deutschland“ statt und die kam auf die Zahl, auf die sich Hamburgs neuer Verkehrssenator beruft: 70 Millionen Personenkilometer pro Tag (

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13 Antworten auf „Hamburgs neuer Verkehrssenator nennt immer wieder eine Zahl – was meint er damit?“

Das Wunderbare an beiden Interviews des neuen Verkehrssenators in der Mopo und im Hamburger Abendblatt ist:
So schön lächelnd unverbindlich.
Stichwort Hamburger Verkehrsmasterplan – Fehlanzeige auch im Koalitionsvertrag
Der wartet seit über 15 Jahren und alle machen einen Bogen um ihn
Stichwort: Ja wir werden jetzt die S32 bauen – Fehlanzeige
seit über 40 Jahren warten die Menschen in Osdorf auf eine Schienenanbindung
Stichwort: Straßenbahn in Hamburg – Fehlanzeige
Die Grünen waren doch die MACHER für eine Straßenbahn
ließen sich von King Olaf Scholz wie dumme Jungen behandeln
Stichwort: Massive Wende zur starken Schiene – Fehlanzeige
Dafür ein Immoniliendeal mit den Grünen am Bahnhof Altona
Der muss weg, Immobilioenhaie Grund und Boden geben
Das Holstenviertel ist das 4.Mal verkauft worden.
Die Stadt guckt ganz doof aus der Wäsche und jammert
Stichwort: Hauptbahnhof modernisieren und erweitern – Fehlanzeige
Was sollte alles im Wahlkampf gemacht werden.
Und der neue Verkehrssenator hat sich selbst in die Ecke Autohasser gestellt.
Da wird er nicht so schnell heraus kommen.

Zu dem Thema 70 Mio KM fehlt komplett das Thema Pendler.
Täglich, so der NDR am 15.10.2019, kommen 350.000 Pendler nach Hamburg
Mit Auto oder mit der Bahn – und natürlich auch wieder raus.
Ich wette dazu eine Flasche Cola Zero, dass der neue Verkehrssenator doch seinen Dienstwagen nutzen wird.

Und die Schlagzeile der Mopo: “Vor mir muss sich niemand fürchten” ( Anjes Tjarks) muss der neue Verkehrssenator erst einmal unter Beweis stellen.
Zur Zeit ist die Nichtverkehrswende im Koalitionsvertrag zum Fürchten.

Es ist eine Frage des Anstands, dass man einen neuen Amtsinhaber erstmal 100 Tage Zeit gibt, um sich einzuarbeiten und eine Linie vorzugeben. Für mich gilt ja auch: lieber ein Haus im Grünen als einen Grünen im Haus. Und ich will wirklich nicht in der Peripherie leben. Aber auch Herrn Tjarks sollte man die Probezeit gönnen statt nur alte Klagelieder neu anzustimmen. Durch destruktives, faktenfreies Gejammere hat man noch nie etwas erreicht.

Das kann man so nicht stehen lassen hundert Tage hin oder her.
Der Koalovertrag ist die Arbeitsgrundlage des neuen Senats und da zitiert und interpretiert Herr Müller Goldenstedt korrekt. Dieser Vertrag ist im Verkehrsbereich eine herbe Enttäuschung und quasi ein Spd HH Weitergewurschtel. Nur die bisherige sogenannte Busbeschleunigung hat es zum Glück nicht wieder geschafft dort verewigt zu werden. Ansonsten ein Sammelsurium von Prüfaufträgen und Absichtserklärungen.
Das das einen tunnelbauenden Sozi aus HH nicht besonders tangiert ist nachvollziehbar……

Mag ja sein, dass Du den Koalitionsvertrag blöd findest, weil er stärker die Handschrift der mit Abstand stärksten Partei trägt. Aber das ist kein private Richtlinie von Herrn Tjarks, sondern eine seriöse Regierungsgrundlage, die erst einmal nichts darüber aussagt, wie der grüne Senator sein Amt ausübt und seinen Gestaltungsspielraum nutzt

Falls es stimmt (habe nicht nachgeschaut): Die geniale Busoptimierung müsste ja auch noch nicht genannt werden, da sie weitestgehend umgesetzt und durchgeplant ist, sodass nur noch einzelne Maßnahmen in der Realisierung fehlen, da man sie aus Termingründen geschoben hat, um Konflikte mit anderen Baustellen zu vermeiden.

Du kannst Dir aber auch gerne wünschen, dass man irgendwelche Wunschideen ohne Prüfung auf Machbarkeit vereinbart und damit dann auf die Klappe fliegt. Aber so funktioniert Verkehrsplanung ja nicht.

Loki, ihr Niveau sinkt immer mehr.
Jetzt antworten Sie auch noch wirres Zeug.

Gerade in Corona-Zeiten weiß man ja, dass Freunde von möglichst schlichten Antworten nur Überschriften lesen. Trotzdem bleibt’s ja dabei: Du kannst so viel über den Vertrag jammern wie Du willst. Es sagt aber nichts darüber aus, was der Verkehrssenator in seinem Amt macht. Und es gehört sich nicht, ihn vor seiner Einarbeitung für etwas zu kritisieren, was er nicht zu verantworten hat.

PS: wenn Du schon als Sonderling im Internet auftreten willst und notorisch siezen musst, was kein Nicht-Boomer machen würde, dann bitte “Ihr Niveau” und nicht “ihr”. Wenn schon, denn schon.

Bussi!

Leider gibt es ja auch noch eine Bürgerschaftspartei, die gegen ein wichtiges SPNV-Projekt auftritt, das eine große Wirkung für einen umweltverträglichen Verkehr hätte. Gerade in einer Region Hamburgs, die schienenverkehrsseitig stets benachteiligt war und ist. Und jetzt soll mir bitte keiner kommen mit: “Wir sind ja gar nicht gegen die S4!” Ich habe es schon mehrfach geschrieben und schreibe es immer gern wieder: Eine “S4”, die sich weiterhin mit dem RE-Verkehr die Infrastruktur teilen muss, ist keine S4 sondern immer noch die RB81. Und: Ein dann weiterhin nur maximaler 15-Minuten-Takt passt nicht in den 20-Minuten-Grundtakt der Hamburger Busse und hätte im schlechtesten Fall lange Wartezeiten zur Folge.

Und leider ist es für “Die Linke” offensichtlich weiterhin kein Problem, dass der größte Hamburger Bezirk als einziger nicht mehr in ihrer Bürgerschaftsfraktion vertreten ist. Es reicht eben nicht aus, nur für Altona, Schanze, St. Pauli, St. Georg oder die Veddel Politik zu machen. Man muss auch an die Stadtteile denken, in denen nicht vorrangig das eigene Klientel zu Hause ist. Sonst kann man keine erfolgreiche Politik machen. DAS hatte damals übrigens auch Dora Heyenn erkannt, aber andere leider nicht.

Noch schnell zur RB81, weil das sicher den Wenigsten bekannt sein wird (und sicher auch die Wenigsten interessiert): Seit heute fallen für mindestens eineinhalb Monate die Verstärkerzüge wegen den Brückenbauarbeiten am Berliner Tor aus. Das heißt, alle Fahrgäste müssen sich im “günstigsten” Fall alle halben Stunden in 4 1/2 Doppelstockwagen quetschen. (Oder in 3 1/2 Dostos oder noch weniger, wenn davon noch 2 oder 3 1. Klassen sind. Oder der Zug fällt mal wieder ganz aus…) Da ist dann Corona-Abstand nur noch Theorie.
Tut mir leid, ich fahre – nach einem kurzen Versuch mit dem ÖPNV – wieder anders auf Arbeit.

Ich frage mich, was die Anzahl der Personenkilometer nun mit der Fläche pro beförderter Person zu tun hat. Aus meiner Sicht gibt es dort nur einen schwachen Zusammenhang. Man könnte z. B. auch die Ampelschaltung für Autofahrer effizienter gestalten und so die Personenkilometer bei gleichem Platzangebot steigern. Oder man erhöht die Höchstgeschwindigkeit, sodass der Durchsatz erhöht wird (analog zu höherem Wasserdruck bei gleich dicker Leitung). So könnte man auch Tempo 30 Zonen verhindern, mit dem Ziel, die Kennzahl zu optimieren.

Aus meiner Sicht ist “Verbrauchter Platz pro beförderter Person” zwar eine deutlich sinnvollere Kennzahl, als “Personenkilometer” (auch, weil sie “mathematisch” einfacher verständlich ist) hat aber mit dem Artikel nichts zu tun.

Das sind beides verkehrswissenschaflich gängige Kennwerte. Wenn ein Bus 50 Fahrgäste auf 10 km befördert, sind das eben 500 abgewickelte Personenkilometer. Keine Ahnung, was daran so unverständlich sein soll. Es bezeichnet eben die Verkehrsleistung. Das heißt aber nicht, dass die Anzahl der Wege (-> bevorzugtes Verkehrsmittel) oder die benötigte Verkehrsfläche nicht zu beachten wären. Genau genommen ist die Differenzierung beim Modal Split sehr sinnvoll.

Nun haben ja auch die Personen-Kilometer im ÖV stark zugenommen. Und das merkt man auch. Erinnere ich mich an 2008, dann an eher leere Züge, fast wie jetzt im April. Und das, obwohl damals die Zugtaktdichte und die Kapazität der einzelnen Züge noch etwas geringer war als heute. Damals war Pendeln fast noch Urlaub. Weder bei der Zugtaktdichte noch bei der Kapazität einzelner Züge sehe ich heute noch großen Entwicklungsspielraum. Zudem kann die Kapazität derzeit nicht voll genutzt werden. Also wird die Moglichkeit, MIV-Nutzer zu ÖPNV-Nutzern zu machen, in den nächsten Jahren bei nahe Null liegen, es sei denn, man richtet noch Plätze auf den Bahndächern ein. Damit ist die Zahl 70 Mio. Personenkilometer nur dann eine gute Zahl, wenn MIV massiv in Fußgänger- und Radverkehr umgewandelt wird. Dazu wird es aber nimmer kommen, solange nicht radikal Fläche zugunsten des Radverkehrs umgenutzt wird und die einzelnen Fahrten nicht kürzer werden. Bei der Umnutzung kann ein Senator – gegen vermutlich tausend Widerstände in seiner Behörde – vielleicht noch helfen. Aber die Wegelänge kann er nur äußerst indirekt beeinflussen. Vielleicht eine City-Maut? Mit der SPD sicher nicht.

Im Artikel heißt es “Der Fahrradverkehr hat laut der „Mobilität in Deutschland“-Untersuchung im gleichen Zeitraum nur minimal von 2,2 auf 3,4 Millionen Personenkilometern zugenommen”

Nun ist das natürlich auf die absoluten Kilometer gesehen immer noch deutlich weniger als bei den motorisierten Verkehrsträgern, aber von 2,2 auf 3,4 ist eine Zunahme von 54%. Das ist doch alles andere als eine minimale Zunahme!?

Gleichzeitig heißt es beim Autoverkehr, die Zunahme von 32,7 Millionen auf 38,3 Millionen wäre eine “starke Zunahme”, dabei ist es hier ein Wachstum von “nur” 17%.

Da verstehe ich die Grundaussage des Artikels nicht mehr.

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