Corona: Sachsen warnt vor ÖPNV-Nutzung – Mallorca verbietet Fahrgästen das Reden

Lange hat die ÖPNV-Branche behauptet, dass ihre Fahrzeuge Corona-sicher seien. Inzwischen stellen das offenbar immer mehr Städte und Länder infrage und reagieren mit Warnungen, gesperrten Sitzplätzen, Zugangskontrollen und sogar Redeverboten. Ein Überblick und eine Antwort auf die Frage, ob auch im HVV eine FFP2-Maskenpflicht kommt.
Christian Hinkelmann
S-Bahn-Fahrgäste mit Mundschutzmasken im Citytunnel
S-Bahn-Fahrgäste mit Mundschutzmasken im Citytunnel
Foto: Christian Hinkelmann

Seit Monaten beteuern die Betreiber von Bahnen und Bussen in Deutschland, dass ihre Fahrzeuge keine Corona-Treiber seien. Noch im vergangenen Herbst, als die Infektionszahlen in Deutschland kräftig stiegen, behauptete der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV in einer groß angelegten Imagekampagne: „Auch in Zeiten von Corona gibt es zum Wiedereinstieg in Bus und Bahn viele gute Gründe und objektiv betrachtet auch keinen Anlass zur Sorge.“ (siehe hier). 

Die Deutsche Bahn legte vor wenigen Wochen eine Studie vor, die beweisen sollte, dass Bahnfahren sicher sei (allerdings musste sie sich anschließend den Vorwurf von Journalist:innen gefallen lassen, zweifelhafte Aussagen getroffen und methodisch unsauber gearbeitet zu haben (siehe hier)). Und auch der Hamburger Verkehrsverbund betonte noch kurz vor Weihnachten, dass die eigenen Verkehrsmittel „eigentlich verhältnismäßig sicher“ seien (siehe hier).

Sind Bus und Bahn doch nicht so Corona-sicher?

Doch angesichts der unverändert hohen Corona-Infektionszahlen dreht sich die Stimmung inzwischen. Immer mehr Städte und Länder reagieren mit Warnungen, gesperrten Sitzplätzen, Zugangskontrollen und sogar Redeverboten im ÖPNV. Wir fassen die aktuellsten Beispiele aus dem In- und Ausland zusammen.

Bundesweit am deutlichsten widerspricht der Freistaat Sachsen der Annahme, dass der ÖPNV infektionssicher sei. Die sächsische Regierung hat angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen dringend dazu geraten, nur noch zwingend nötige Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zu machen, um die Auslastung auf ein Minimum zu senken. Laut einem Bericht der FAZ (siehe hier) will der Freistaat die durchschnittliche Auslastung im öffentlichen Nahverkehr von derzeit 40 Prozent auf nur noch 25 Prozent senken und hofft, dass die nun ausgesprochene Warnung zu diesem Ziel führt.

Zum Vergleich: Im HVV in Hamburg liegen die Fahrgastzahlen derzeit ungefähr bei 50 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Niveau (siehe hier). Hier in der Hansestadt gibt es solche politische…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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Eine Antwort auf „Corona: Sachsen warnt vor ÖPNV-Nutzung – Mallorca verbietet Fahrgästen das Reden“

Naja, also ich befürworte immer noch den gesunden Menschenverstand. Das heißt nicht in überfüllte Busse und Bahnen steigen, mehr in der Nebenverkehrszeit fahren, wenn es denn geht. Dazu jede unnötige Tour vermeiden und wenn es möglich ist, einfach mal zu Fuß gehen. Ich befürchte, in Sachsen besteht das Problem eher darin, dass diesen allgemeinen Ratschlägen nicht viel Beachtung geschenkt wird. Da kann dann auch der ÖPNV nichts für bzw. trotz Warnungen werden die Zahlen dann dennoch nicht zurückgehen. Und was hilft es letztlich, wenn ich den Bus meide, um anschließend bereitwillig in den überfüllten Supermarkt zu gehen?

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