Diese Bauvarianten sind bei AKN-Elektrifizierung noch im Spiel

Nach Abschluss der Kosten-Nutzen-Analyse für eine S-Bahn auf der AKN-Strecke nach Kaltenkirchen sind noch drei unterschiedlich Planungsvarianten im Rennen, die allesamt wirtschaftlich und förderfähig sein sollen – darunter auch die mit Abstand teuerste Variante. 2020 könnten die ersten Züge fahren, wenn Hamburg mitzieht.
Von Christian Hinkelmann
AKN-Triebwagen kurz vor dem Bahnhof Eidelstedt
Ein AKN-Dieselzug rollt in den eingleisigen Bereich kurz vor dem Endbahnhof Eidelstedt in Hamburg

Nachdem der geplante Ausbau der AKN-Strecke nach Kaltenkirchen zu einer S-Bahn als wirtschaftlich eingestuft worden ist, verfolgen die Planer jetzt noch drei verschiedene Bauvarianten.

Das geht aus einem aktuellen Bericht der schleswig-holsteinischen Landesregierung hervor, der am Mittwoch im Kieler Landtag behandelt werden soll und der NahverkehrHAMBURG bereits vorliegt. Die einzelnen Varianten sind demnach zwar unterschiedlich teuer – haben aber alle einen positiven Kosten-Nutzen-Faktor.

Die einzelnen Varianten im Überblick:

Variante 1:

  • Die S-Bahn-Linie S21 wird im Norden verschwenkt. Das heißt: Die Linie fährt nicht mehr zur Elbgaustraße, sondern biegt in Eidelstedt auf die AKN-Trasse ab und fährt nach Quickborn im Berufsverkehr alle 10 Minuten und nach Kaltenkirchen alle 20 Minuten. Der Ast zur Elbgaustraße wird durch eine neue Verstärkerlinie S32 (Harburg-Holstenstraße-Elbgaustraße) bedient.
  • Die Investitionskosten für diese Variante liegen bei rund 50 Millionen Euro (ohne Fahrzeuge). Darin enthalten sind die Elektrifizierung der Strecke mit Oberleitung (45,6 Mio.), sowie der Bau von Selbstabfertigungsanlagen und die Ausrüstung mit einem Informations- und Meldesystem (4,4 Mio.)

Variante 2:

Auch interessant

Auto, Hamburg, Individualverkehr, Parken, Parkplatz

Bundestagswahl: Das versprechen die Parteien für den Autoverkehr

Autofreie Innenstädte? Tempolimits? Führerschein mit 16? Carsharing auf dem Land? Im vierten Teil unserer Wahlcheck-Serie analysieren wir, wie sich die großen Parteien die Zukunft des Autoverkehrs in Deutschland vorstellen. Die Positionen gehen weit auseinander.

8 Antworten auf „Diese Bauvarianten sind bei AKN-Elektrifizierung noch im Spiel“

Jetzt müssen Hamburgs Verkehrspolitiker ganz schnell Farbe bekennen. Je schneller desto besser damit die Fördergelder nicht wieder nur nach Süddeutschland gehen und das Projekt erst im nächsten Jahrzehnt kommt – 2027 oder noch später. Eine S-Bahn auf der AKN ist seit Jahrzehnten versprochen und dies ist DIE Chance das endlich zu realisieren. Hamburg muss einen Anteil von vielleicht zehn bis 15 Mio. schultern wenn die einzig sinnvolle Variante 3 kommt. Das sollte zu schaffen sein und hoffentlich zerreden die Verkehrspolitiker das nicht wieder.

Wenn nur mit Variante 3 die Fahrzeit um fünf Minuten Minuten verkürzt werden kann, dann sollte man das tun. Kaltenkirchen muss begreifen, dass eine S1 vom Flughafen erst in der nächsten Generation gebaut werden kann (nach 2030) und dass die Menschen jetzt eine attraktive Verbindung nach Hamburg wollen. Der durchgehende Zug um 8.21 Uhr braucht 56 Minuten bis Hauptbahnhof. Mit dem Auto ist man schneller wenn man nicht direkt zum Hauptbahnhof will. Wenn man die Fahrzeit auf 49 Minuten senken kann ist es das wert! Dann kommen mehr Fahrgäste. Sonst bleibt die Strecke unattraktiv. Von Quickborn muss man auf 35 Minuten Fahrzeit kommen oder weniger und dafür hilft der Wegfall des Engpasses Eidelstedt, weil man dort keine Fahrzeitreserven mehr einplanen kann. Verständlich dass die Flügelung unattraktiv ist, weil die Fahrzeitverlängerungen in Eidelstedt brächte.

MfG.
Robert5

Problem ist, dass sich für den Luruper/Osdorfer Raum die Anbindung an die S-Bahn deutlich verschlechtert, wenn die S21 nicht mehr in Elbgaustraße endet. U.a. der 186er- und der 21er-Bus verlieren ihre direkte Anbindung an die S21. Wie kann man das ohne unverhältnismäßigen Mehraufwand lösen? Ist dieser deutliche Nachteil der ausgewählten Varianten auch in die Kosten-Nutzen-Analyse eingeflossen? Eigentlich ist es ja unverantwortlich, Stadt-Umland-Verbindungen zu verbessern, wenn sich dafür innerstädtische Verbindungen deutlich verschlechtern. So schön die S4- und S21-Projekte auch sind – neue S-Bahnstrecken ins Umland fördern einfach massiv die Suburbanisierung und tragen maßgeblich zu einer weiteren Zersiedelung bei. Was Hamburg viel nötiger hat sind deutlich verbesserte Erschließungswerte des schienengebunden ÖPNV _innerhalb_ des Stadtgebiets!

Ich denke, dass die S-Bahnerweiterung in Richtung Kaltenkirchen eine gute Sache ist. In Anbetracht der bereits vorhandenen Infrastruktur eine preislich ziemlich günstige Ergänzung des S-Bahnnetzes noch dazu.

Wie in anderen Diskussionen bereits von verschiedenen Seiten angeführt, erschließt sich mir die alleinige Untersuchung einer S21-Verschränkung aber nicht. Eine S21 Pinneberg-Aumühle mit EInsystemzügen und eine S3 Kaltenkirchen-Stade mit Zweisystemzügen (und im Idealfall Toiletten an Bord) wäre doch die viel offensichtlichere Lösung, die den Einsatz von teuren Zweisystemzügen auf das Mindestmaß beschränkt. Wirtschaftlicher dürte das allemal sein.

@Johannes:

Laut Meldung bekäme Elbgaustraße dann in der Hauptverkehrszeit mit der S32 die direkte Verbindung zur Verbindungsbahn. Die S21-Kaltenkirchen würde davon abgesehen eben NICHT nur allein die Suburbanisierung fördern. Eidelstedt und Schnelsen sind nun zweifelsfrei seit 80 Jahren – und damit ebenso lang wie Lurup! – Teil Hamburgs. Die Stationen der “S21-Neu” haben ebenso mehrere zehntausend Hamburger im Einzugsgebiet – und dazu noch fast 100.000 Menschen entlang der Aufbauachse Nord. Übrigens: Besser, sie fahren mit der Bahn nach Hamburg als wie heute mit dem Auto. Sinnvoll ist eine verdichtete Bebauung in Suburbia, ja, solange man es in der direkten Nähe der Schnellbahn macht. Und da hat die AKN-Strecke große Vorteile zum Beispiel zur S3 nach Stade. Die S3-Süd hat einige Bahnhöfe irgendwo am Rand der Bebauung. Die AKN dagegen hat Stationen in den Zentren von Quickborn, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen – mit entsprechendem Nachfragepotential selbst für autofreie Mobilitätsketten. Punkt.

Ich verstehe nicht, warum die zweigleisige Ausfädelung in Eidelstedt nicht schon beim Umbau realisiert wurde. Da bestand doch noch die östliche AKN-Trasse, die dann anschließend nach Westen verschwenkt wurde. In meinen Augen ist Variante 3 eindeutig vorzuziehen: Mit Geschick und etwas Glück lässt sich auf dem Abschnitt bis Quickborn durch die kürzere Fahrzeit ein Fahrzeug einsparen. Der zweigleisige Ausbau bei Tanneneck kann ja zukünftig immer noch kommen, vielleicht im Rahmen von Sprinter-S-Bahnen, Güterverkehr etc.

Ich verstehe ebenso die Aufregung nicht, dass die S21 nicht mehr zur Elbgaustraße führen würde: Dort fährt alle 10 min die S3! Es wird doch möglich sein, die besagten Busverbindungen auf diese Linie abzustimmen, oder? Und es wird Leute geben, die dann zwischen Eidelstedt und Diebsteich umsteigen müssen und dadurch 5 min und ggf ihren Sitzplatz verlieren werden. Das ist Mist, aber es wird auch die S32 geben, die viele Bedürfnisse befriedigen wird, und vor allem werden etliche Hamburger zum ersten Mal eine S-Bahn-Verbindung in ihrer Nachbarschaft haben. Der Staat kann und sollte es nicht jedem Recht machen, denn letztendlich wird immer jemand darunter leiden, und sei es der Steuerzahler.

@ Christian Hinkelmann:

Ich möchte Ihnen ein Lob für Ihre Internetseite aussprechen! Neben Ihren guten Texten und dem Layout gefallen mir besonders Ihre Fotos und Ihre Exklusiv-Berichte wie das Horch-Interview oder dieser Artikel. Machen Sie weiter so!

Auch wenn Herr Horch sie in seiner Aufzählung im Sommer nicht einmal erwähnt hat, möchte ich noch einmal eine andere Verbindung in Erinnerung rufen:
wenn man die S1 in Fuhlsbüttel direkt verlängert und zwar schräg unter der Startbahn nach Nordwesten, Tunnelende gleich hinter dem Kronstieg, dann an der Landesgrenze entlang, über oder unter BAB und Einfädeln in die AKN-Trasse südlich von Bönningstedt und zwar sowohl nach Norden (Quickborn) als auch nach Süden (Schnelsen, Eidelstedt), ergibt das a) einen S-Bahn-Ring für Hamburg, der attraktiver sein dürfte als der in Berlin und b) eine direkte Flughafen-Anbindung für Schleswig-Holstein. Es sind 33 km weniger als über Elmshorn-Hbf-Hammerbrook-Ohlstedt, von Eidelstedt zum Flughafen würde die Strecke und die Fahrzeit um 2/3 verkürzt.
Früher nannte man das Schienenflieger, aber auf anderer Route, die als zu teuer abgelehnt wurde.

@Biene: Auch wenn ein äußerer S-Bahn Ring wünschenswert ist, so ist dein Vorschlag doch träumerei. Dann kann man auch gleich noch südlich Ohlsdorf ausschwenken und Steilshoop, Bramfeld, Farmsen, Tonndorf, Jenfeld, Billstedt, Billbrook bis nach Tiefstack anbinden. Dann hätte man wirklich eine leistungsfähige Querachse.

Aber man sollte doch immer erstmal das realisieren, was wirklich greifbar und bezahlbar ist. Variante 3 halte ich für vernünftig. Bei einem 20-Minuten-Takt muss es doch möglich sein, zwischen Quickborn und Tanneneck die Züge so abzustimmen, dass keine Fahrzeitverlängerung entsteht.
Ansonsten halten sich die Mehrkosten für den 2-gleisigen Ausbau auch in Grenzen, wenn man bedenkt, wie viel Geld in die Busbeschleunigung gesetzt wird um ein Paar Minuten rauszuholen. Hier sind es zusätzlich eingesparte 5 Minuten Fahrzeit für 25 Mio Euro, also durchaus vergleichbar.

Hoffentlich klappt endlich mal was. Am Geld kann es nicht liegen, wenn man sich Elbphilharmonie und Energienetze leisten kann (und sei es nur durch geschickte Buchführung)
Ist es nicht eigentlich absurd, aus kostengründen ein volkswirtschaftlich nützliches Projekt nicht zu realisieren?
Mal sehen was draus wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.