Hallerstraße bekommt in den nächsten Tagen Pop-Up-Radspuren

Die Verkehrsbehörde gibt bei der Neuverteilung des Straßenraums in Hamburg Gas. Auf der Hallerstraße werden in den nächsten Tagen zwei neue provisorische Radspuren eröffnet. Die Arbeiten sind angelaufen. Wir waren mit der Kamera dabei.
Christian Hinkelmann
Markierungsarbeiten für die neuen Pop-Up-Bikelanes in der Hallerstraße am 27. Mai 2021.
Markierungsarbeiten für die neuen Pop-Up-Bikelanes in der Hallerstraße am 27. Mai 2021.

Genau zwei Monate nach Eröffnung von so genannten Pop-Up-Radspuren in der HafenCity (Bericht hier) ist der nächste Straßenzug dran, in dem die Verkehrsfläche so umverteilt wird, dass Auto- und Radverkehr künftig gleich viel Platz bekommen.

Wie die Verkehrsbehörde auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage erklärte, wird in der vierspurigen Hallerstraße zwischen den Grindel-Hochhäusern und der Rothenbaumchaussee derzeit pro Richtung jeweils eine Autofahrspur in eine Fahrradspur ummarkieren – mit gelber Farbe, denn die Radspuren sind nur ein provisorischer Verkehrsversuch.

600 Meter lang sind die neuen Fahrrad-Pisten laut Behörde pro Richtung, insgesamt also rund 1,2 Kilometer. Mit einer Breite von 2,5 Metern können dort bequem mehrere Radfahrerinnen und Radfahrer nebeneinander fahren.

Die neuen Radspuren sind für den Fahrradverkehr auf der viel befahrenen Straße ein riesiger Sprung nach vorn, denn bisher gab es dort gar keine Radwege. Fahrradfahrende mussten dort zwangsweise im Mischverkehr mit dem Auto-, Bus- und Schwerlastverkehr mitfahren, was besonders durch zahlreiche Zweite-Reihe-Parker immer wieder zu gefährlichen Situationen führte.

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Intercity auf der Fehmarnsundbrücke

Verkehrswende? In zwei Wochen verliert Fehmarn seinen Bahnanschluss

Seit 117 Jahren fahren auf Fehmarn Eisenbahnen. In 14 Tagen ist damit Schluss. Dann wird die Strecke von Neustadt zur Insel stillgelegt. Erst in frühestens sieben Jahren gibt es Ersatz. Das sind die Hintergründe und so sieht die Zukunft des Fährbahnhofs Puttgarden aus.

Prof. Dr. Carsten Gertz von der Technischen Universität Hamburg über Mobilität von Geringverdienern.

„Das Fahrrad spielt im Alltag armer Menschen kaum eine Rolle“

Wie kann die Politik Mobilität in Hamburg sozialer machen? Warum fahren Geringverdiener so wenig Fahrrad und ist das 9-Euro-Ticket für finanziell arme Menschen wirklich eine gute Lösung? Teil 2 unseres Interviews mit Prof. Carsten Gertz von der TU über unsoziale Mobilität und Maßnahmen dagegen.

5 Antworten auf „Hallerstraße bekommt in den nächsten Tagen Pop-Up-Radspuren“

Dieser Pop-up-Radweg wird sowieso zugeparkt sein (insbesondere beim Edeka von Kunden, die auf einen freien Parkplatz vorm Edeka warten) und da in Hamburg ja so Falschparken als Kavaliersdelikt gilt und nur in den seltensten Fällen abgeschleppt wird, wird der Pop-Up-Radweg kaum nutzbar sein und ist daher imho auch total sinnlos.

Ist natürlich eine gute Sache, aber wenn man jeden Meter aufgepinselten Radweg so feiern muss, ist das schon etwas lächerlich. Es gibt zig Kilometer maroder Buckelpisten, die auf engem Raum Rad- und Fußwege zusammenquetschen. Wenn man die alle sanieren würde, wäre HH danach hundertmal attraktiver für Radler, als mit den Radschnellwegen aus dem Umland. Kann mir nicht vorstellen, dass damit so vielen Pendlern ein Gefallen getan wird…

Das ist die nächste Showveranstaltung des Verkehrssenators. Diese Pop-Up-Radwege nützen gar nichts, wenn sie von Parkern in der zweiten Reihe und den allgegenwärtigen Fahrzeugen der Expresslieferdienste zugeparkt werden, was insbesonders in der Hallerstraße der Fall ist. Denn hier wohnt recht zahlreich die Grüne Wählerklientel, die sich durch besodners aktives Internet-Shopping auszeichnet. Der Fehler aller Pop-up Radwege in Hamburg ist, dass sie an kritischen Stellen einfach aufhören. Besonders auffällig is dies an der Max-Brauer-Allee zwischen Palmaille und Holstenstraße. Hier wäre ein nicht nur abmarkierte,r sondern auch mit Schwellern versehene, Pop-up-Radwag (zumindest solange bis der mehrfach verschobene Umbau der Max-Brauer-Allee beginnt, ein echter Zugewinn an Sicherheit für die Radler. Aber hier ist der auf Teilstrecken vorhandene straßenbegleitende Radweg z.T. eine noch nicht einmal geteerte Schlaglochpiste. Zu besichtigen zwischen Goethealle und Paul-Nevermann-Platz. Hier würden sich die Radler schon über eine Beseitigung der Schlaglöcher freuen. Und zwischen Hosltenstraße und Goethealle gibt es überhaupt keinen Radwege, aber deutlich mehr Verkehr als auf der Hallerstraße! Die mangelnde Instandhaltung gilt im übrigen für alle Bestandsradwege. Diese sind aber nicht im Fokus des Verkehrssenators, der lieber von Expressradwegen träumt, die nur für die Minderzahl der Radler von Interesse sind. Folge des schlechten Zustandes der Bestandsradwege ist doch, dass die Radler entweder auf den Fußwegen fahren und damit die Fußgänger belästigen oder gezwungen sind auf die Straße auszuweichen, was angesichts des heftigen Vekehrs z.B. auf der Max-Brauer Allee recht gefährlich ist. Und wann kommt nun endlich einmal eine lückenlose Beschilderung der Radwege. Hier gibt es genügend Schleichwege durch Wohngebiete, die aber nur ortskundige Radler ohne Beschilderung finden. Dann hätte man weniger Radverkehr auf den Durchgangsstraßen des Autoverkehrs.

An und für sich eine gute Sache. Der Pop-up Radweg entlang der Straße Beim Schlump funktioniert meiner Beobachtung nach sehr gut, warum sollte das also nicht in der Hallerstraße klappen? Zumal das Aufkommen an PKWs & Co dort nicht wirklich zwei Spuren in jede Richtung rechtfertigt und die Aufstellflächen an den Kreuzungen bleiben vermutlich eh unverändert.
Spannend entlang der Achse bleibt allerdings der Abschnitt zwischen Schlump und Weidenallee. Dort ist richtig wenig Platz und gute Ideen sind gefragt. Die Bürgersteige sind eng und gut mit Fußgängern frequentiert. Da gehören Radfahrer nicht auf den Pseudo-Radweg, aber auf der Straße ist’s auch arg eng und überholen ist für Autofahrer so gut wie nie möglich. Nicht wirklich angenehm für Radler und auch nicht für die Auto-/Busfahrer dahinter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie finden Sie eigentlich unsere Wochenrückblicke?

Lesen Sie diese Rubrik regelmäßig? Was finden Sie daran gut oder schlecht? Ihre Meinung interessiert uns! Wir haben fünf kurze Fragen an Sie. Es dauert nur wenige Sekunden.