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Langjähriger HVV-Chef Lutz Aigner geht von Bord

Führungswechsel beim HVV: Nach fast 25 Jahren geht der langjährige Chef Lutz Aigner in den Ruhestand. Er kann auf eine äußerst erfolgreiche Karriere zurückblicken. Seine Nachfolgerin kommt von den Österreichischen Bundesbahnen.

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HVV-Geschäftsführer Lutz Aigner

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„Als ich nach Hamburg kam, fand ich die Konstruktion schräg. Heute finde ich sie genial“, hat Lutz Aigner, einer der beiden Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbunds, vor einigen Jahren mal in einem Interview über seinen eigenen Arbeitgeber gesagt, an deren Spitze er seit 1996 sitzt.

Der ehemalige Prokurist der renommierten Essener Verkehrs AG meinte damit die Organisationsform des HVV, der 1965 als erster Verkehrsverbund der Welt gegründet worden war und sich 1996 mit der Einstellung Aigners komplett neu erfand: War der Verbund vormals noch im Besitz der großen Verkehrsunternehmen in Hamburg und Umland, wurde der HVV 1996 von den Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen übernommen und war fortan in der neuen Rolle eines Auftraggebers unterwegs, der bei seinen ehemaligen Besitzern (und inzwischen vielen weiteren Verkehrsunternehmen im Verbundgebiet)Verkehrsleistungen bestellte.

HVV erlebte unter Aigner einen zweiten Frühling

Tatsächlich eine sonderbare Situation, in die der damals noch unter 40-jährige Volkswirt da kam – übrigens: für seinen Posten vom Land Schleswig-Holstein vorgeschlagen. Der Hamburger ÖPNV war zu dieser Zeit – im Vergleich zu heute – an einem Tiefpunkt: Hohe Verluste, niedrige Fahrgastzahlen, stagnierendes Angebot.

Doch das sollte sich unter der Führung von Lutz Aigner ändern. Unter ihm erlebte der HVV einen zweiten Frühling: 1997 ging die erste Internetseite mit einer Fahrplanauskunft online, 2001 wurde der Busverkehr in Hamburg komplett umgekrempelt, das heutige Metrobusnetz entstand, in den drei nachfolgenden Jahren wurde das HVV-Gebiet erstmals seit Gründung massiv Richtung Schleswig-Holstein und Niedersachsen vergrößert, U- und S-Bahnen fuhren in den Wochenendnächten plötzlich auch nachts, die S-Bahnlinie S3 wurde nach Stade verlängert, die S-Bahn zum Flughafen eröffnet und die neue U-Bahnlinie U4 gebaut. Die Fahrplantakte wurden – parallel zu den Fahrkartenpreisen – stetig erhöht. Nebenher wurde die Digitalisierung der HVV-Tickets vorangetrieben, wurden Busse mit W-LAN ausgestattet und es wurde die HVV-Garantie bei Verspätungen eingeführt. Irgendwo zwischendrin änderte der HVV dann auch noch sein angestaubtes gelb-schwarzes Logo in das heutige blau-rote Design.

Nicht bei jedem Projekt gehörte der HVV zu den schnellsten und erfolgreichsten in Deutschland, aber im Vergleich zu den vorherigen Jahrzehnten war das Innovationstempo des Verbunds beachtlich.

Fahrgastzahlen und Einnahmen stiegen deutlich

Der Erfolg dieser Maßnahmen ließ nicht lange auf sich warten: Die Fahrgastzahlen im HVV stiegen von ehemals jährlich 478 Millionen auf inzwischen 796 Millionen, der Kostendeckungsgrad im Verkehrsverbund kletterte von 60 Prozent im Jahr 1995 auf inzwischen 74 Prozent (siehe hier).

Zwei große Erfolge, auf die HVV-Geschäftsführer Lutz Aigner zufrieden zurückschauen kann, wenn er sich in den nächsten Tagen – nach fast 25 Jahren an der Spitze des Verbunds – in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

„Lutz Aigner hat sich nicht nur riesige Verdienste für den HVV, sondern für die gesamte Stadt Hamburg erworben“, gratulierte Hamburg Verkehrsstaatsrat und Aufsichtsratsvorsitzender des HVV, Martin Bill (Grüne), gestern zum Abschied. „Die Bedeutung und Attraktivität des HVV hat sich unter ihm stark vergrößert – damit ist Lutz Aigner eindeutig ein Pionier der Mobilitätswende in Hamburg. Für diese Arbeit und Leistung danke ich ihm von ganzem Herzen.“

Aigner übergibt an ÖBB-Managerin

Aigner übergibt den Staffelstab an seine Nachfolgerin Anna-Theresa Korbutt. Die Diplom-Kauffrau war zuletzt unter anderem bei den Österreichischen Bundesbahnen als Leiterin der Konzernstrategie und Unternehmensentwicklung in der ÖBB-Holding AG tätig. Zuvor war sie bei der Deutschen Bahn.

Korbutt wird ab dem 1. April 2021 zusammen mit dem bisherigen Geschäftsführer Dietrich Hartmann das neue Führungs-Duo im HVV bilden und wird den Verbund in einem Kontext übernehmen, wie damals Lutz Aigner bei seinem Start in Hamburg: In einer für den ÖPNV schwierigen Zeit.

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Christian Hinkelmann, Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG

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