Neue S-Bahnlinie S4 kommt zwei Jahre später – erster Spatenstich mit Politprominenz

Bau der neuen S-Bahn zwischen Hamburg und Bad Oldesloe verzögert sich. Statt 2027 sollen erst 2029 Züge auf ganzer Strecke fahren. Gestern war offizieller Baubeginn. So sieht es aktuell auf der Baustelle aus.
Von Matthias Schinck
Erster Spatenstich für die S4 am 10. Mai 2021 mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (v.l.n.r.)
Erster Spatenstich für die S4 am 10. Mai 2021 mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (v.l.n.r.)
Foto: Deutsche Bahn

250.000 Menschen zwischen Hamburg und Bad Oldesloe müssen ein paar Jahre länger auf die neue S-Bahnlinie S4 warten als bisher in Aussicht gestellt. Das Mammutprojekt verzögert sich. Statt 2027 soll die neue Strecke erst 2029 komplett eröffnet werden.

Das teilte die Deutsche Bahn gestern überraschend im Zusammenhang mit dem ersten Spatenstich für das 1,85 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt mit (siehe hier). Gründe für die Verspätung nannte das Unternehmen nicht.

Zum offiziellen Startschuss der Bauarbeiten unweit des S-Bahnhofs Hasselbrook kam gestern ordentlich Politprominenz auf die Baustelle: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, sowie Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ließen es sich nicht nehmen, persönlich den symbolischen ersten Spatenstich vorzunehmen.

Bei der kleinen Feierstunde, die coronabedingt für die Presse per Livestream übertragen wurde, war auch ein Vertreter der Europäischen Union per Videobotschaft dabei. Die EU bezuschusst die neue S-Bahn-Strecke mit rund 20 Millionen Euro (siehe hier) aufgrund ihrer europäischen Bedeutung. Sie entlastet nämlich den Bahn-Korridor zwischen Skandinavien und dem Mittelmeer.

Den Löwenanteil von 1,6 Milliarden Euro übernimmt der Bund. Dies ist ungewöhnlich viel und hat ebenfalls damit zu tun, dass die S4 kein reines Nahverkehrspro…

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12 Antworten auf „Neue S-Bahnlinie S4 kommt zwei Jahre später – erster Spatenstich mit Politprominenz“

Schade, dass einen so etwas gar nicht mehr überrascht…
Also peilen wir mal 2030 und Kosten von 2-3 Milliarden an um mental schon mal auf alles vorbereitet zu sein…

Nun haben sich also auch die Großkopferten getroffen. Der Bau ist aber schon längst losgegangen. An der “berühmten” Überführung über die Hammer Straße wird gegenwärtig die Betonierung der Brücke vorgenommen. Dazu wurden die freigelegten Stahlarmierungen der abgetragenen Wände umgebogen und weiter verwendet.
Dass es zu einer zweijährigen Verlängerung in der Bauzeit kommt (auch bezüglich der Teilinbetriebnahme bis Rahlstedt), ist bedauerlich. Zwischen Hammer Straße und Robert-Schuman-Brücke sind z.B. mehrere Grundstücke noch nicht freigegeben und können aus Naturschutzgründen frühestens im Herbst diesen Jahres beräumt werden. Grundsätzlich ist es jedoch bei so einem großen Projekt besser, großzügiger zu planen und dann am Ende sogar eher fertig zu werden. Auch wenn die 1,6 Mrd. unterboten werden könnten, wäre das gut. Wir haben schon lange genug auf die S4 warten müssen, da machen es die zwei Jahre mehr nun auch nicht mehr aus. (Gut, ich werde dann wohl doch nicht mehr mit der S4 auf Arbeit fahren können.)

Die Verzögerungen scheinen vor allem darin begründet zu sein, daß Schleswig Holstein keine Planungskapazitäten frei hat. Das kommt halt davon, daß man unter dem Mantra der “schwarzen Null” die öffentliche Verwaltung kaputt spart. Aber wenigstens bis Rahlstedt (und sogar Ahrensburg?) wird die S4 wesentlich früher fahren und das ist ja auch gut so.)

Da stimme ich Ihnen voll zu.
Dann besteht ja noch Hoffnung, dass die S4 wenigstens bis Rahlstedt vor 2027 kommt. Die Informationen, dass sich auch diese Inbetriebnahme um 2 Jahre verzögern soll, hatte ich gelesen, ist aber wohl nicht verifiziert. Dazu könnte Nahverkehr Hamburg ja mal nachfragen.

Kleine Korrektur:
natürlich sind das 1,85 Mrd. (durch die vielen Male 1,6 im Text war ich auf einen falschen Trip gekommen)

Stellt sich dann auch noch die Frage, wie bei einer teilfertigen S4 bis Rahlstedt der Regionalverkehr nach Ahrensburg und Bad Oldesloe aussehen soll. Muss dann für die Übergangszeit in Rahlstedt umgestiegen werden? Ich kann mir kaum vorstellen, dass man da einen Parallelverkehr zur S4 mit Regionalbahnen bis zum Hauptbahnhof finanzieren möchte.

Soviel ich aus den Infoveranstaltungen zur S4 vor Jahren weiß, soll der Verkehr in Rahlstedt gebrochen werden. Die RB81 endet dann dort aus Richtung Ahrensburg, die S4 wartet auf dem anderen Gleis. Hinter Rahlstedt gibt es ein Überholgleis, auf dem auch Züge abgestellt werden könnten.

Die Verzögerungen für die Verbesserungen des SPNV für den Osten Hamburgs kommen daher, dass man zwei Projekte, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, miteinander verknüpft hat. Der Hauptteil der Baumaßnahmen ist darauf zurückzuführen, dass hier Gütergleise für die feste Fehmarnbeltquerung-Hinterlandanbindung gebaut werden. Dies produziert auch den berechtigten Widerstand der Anlieger und Bürger gegen das Projekte, wird hier doch eine Güterverkehrstrasse für 700 Meter lange Güterzüge einschließlich Gefahrguttransporte mitten durch den dicht besiedelten Hamburger Osten geschaffen. Daraus folgt auch der kostentreibende Ausbau der S-Bahngleise nach schweren Güterzugstandard. All das ist auch Ergebnis der mangelnden Variantenabwägung. Eine Neubautrasse für den Güterverkehr parallel zur A1 hätte eine dringend notwendige Verbesserung des SPNV früher und kostengünstiger möglich gemacht. So wird am Ende des Tages nur eine S-Bahn bis nach Rahlstedt fahren, die hoffentlich 2027 fertig wird. Schade, dass hier wieder ein SPNV-Projekt durch mangelnde Transparenz der Planung und unzureichender Altennativenabwägung versemmelt wird. Aber das scheint Hamburger Spezialität zu sein. Gleiches gilt für die U5 wie auch das Bahnhofsprojekt Diebsteich.

Soweit ich weiß, wird die S-Bahn für die S-Bahn gebaut und die Bestandsstrecke danach für Güterzüge ertüchtigt. Also kann man die beiden Projekte schon getrennt betrachten. Eine Güter-NBS wäre da doch nochmal etwas aufwändiger geworden 🙂

und wohl auch teurer. Natürlich wäre eine solche Strecke sicherlich bedenkenswert gewesen aber auch wenn der Ein Mann Betrieb “Prellblock” das nicht wahr haben will. Man hat sich in einem demokratischen Prozeß anders entschieden. Der einzige wirkliche Nachteil nach meinem Geschmack der jetzt gewählten Variante sind die vielen Lärmschutrzwände, die zwar notwendig sind aber die Landschaft verschandeln (insb. wenn dann noch diese unseligen Graphitischmiereien dazu kommen): Im übrigen: wie wäre denn der Fernverkehr, der nach in Betrieb der Fehmarn Querung erheblich zunehmen wird, denn aus dem Hamburger Hauptbahnhof geführt worden?

Und zum gefühlt 163. mal: Eine A1-Variante bringt keine bessere SPNV-Anbindung, weil immer noch der halbstündige RE auf den selben Gleisen verkehren würde. Das haben Sie mir selbst auf Nachfrage bestätigt. Und der RE verhindert einen engeren Takt der RB.
Und nebenbei: Wie sieht es mit der Kritik der BIs am bisherigen Schwerlast- und Gefahrguttransport auf der ehemaligen B75 aus? Der würde übrigens auch zunehmen. Dazu habe ich bisher noch nichts vernommen. Wenn ich mich so in Marienthal umsehe, habe ich nicht das Gefühl, dass dort Umweltschutz im Mittelpunkt steht. Es ist wohl das Gleiche wie in der Horner Geest, am Hartzloh, bei der Busbeschleunigung am Mühlenkamp und bei der Stadtbahnplanung in Winterhude: “Bloß nicht bei mir!”

Och bitte nicht wieder die Vieregg-Ideen und Kostenschätzungen… Fragen Sie mal beim Brennernordzulauf, was man von den Ausführungen dieses 1-Mann-Büros hält. Ich glaube, die lachen da alle heute noch drüber… Ich habe bis heute immer noch nicht verstanden, wie die Ausfädelung zur A1 hin, sinnvoll gestaltet werden soll.

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