4.000 Menschen testen Vorortbahn-Probebetrieb in Rendsburg

Volle Züge: Rund 4.000 Menschen haben am Wochenende in Rendsburg an Schnupperfahrten auf einer verwaisten Bahnstrecke innerhalb des Stadtgebiets teilgenommen. Das Land wollte damit die Akzeptanz in der Bevölkerung testen. Schon zwei Jahren könnten auf der 3,5 Kilometer langen Strecke wieder reguläre Züge fahren.
Christian Hinkelmann
Menschen warten auf einen Sonderzug auf einer stillgelegten Bahnstrecke in Rendsburg-Seemühlen in Schleswig-Holstein
Menschen warten auf einen Sonderzug auf einer stillgelegten Bahnstrecke in Rendsburg-Seemühlen in Schleswig-Holstein

Dichtes Gedränge im Triebwagen, lange Warteschlangen auf den provisorisch aufgebauten Bahnsteigen. Vor 38 Jahren wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Rendsburg und Husum eingestellt, weil zu wenig Fahrgäste mitfuhren – am vergangenen Wochenende erlebte das verwaiste Teilstück zwischen der Rendsburger Innenstadt und dem Vorort Seemühlen ein gewaltiges Comeback.

Rund 4.000 Menschen stürmten zwischen Freitag und Sonntag den modernen Dieseltriebwagen, der im Rahmen des Stadtfestes „Rendsburger Herbst“ kostenlos im Stundentakt über die 3,5 Kilometer lange Strecke pendelte und einen Vorgeschmack auf die Zukunft geben sollte – denn die LVS will dort in zwei Jahren wieder regelmäßig Züge fahren lassen und eine Art Mini-S-Bahn in die Rendsburger Vororte einrichten.

Hintergrund ist, dass das Land ab Dezember 2014 den Bahnverkehr zwischen Kiel und Rendsburg wegen steigender Fahrgastzahlen von einem Stundentakt auf einen 30-Minuten-Takt verdichten will. Laut dem Fahrplanentwurf müsste dabei ein Zug pro Stunde ca. 45 Minuten im Rendsburger Bahnhof warten, bis er wieder nach Kiel zurückkehren kann. Diese großzügige Wendezeit wollen die Planer nutzen, um den Zug über die bisher ungenutzten Strecke bis nach Rendsburg-Seemühlen weiter fahren zu lassen. Geplant sind dort drei neue Haltestellen:

  • Rendsburg Gymnasium Kronwerk
    Dieser Haltepunkt soll vor allem der Schülerbeförderung vom Gymnasium in die Innenstadt, bzw. in die Vororte vereinfachen.
  • Rendsburg-Mastbrook
    Dieser Halt soll ein Wohngebiet an der „Schleswiger-Chaussee“ anbinden.
  • Rendsburg-Seemühlen
    Vorläufig geplante Endhaltestelle.

Zum Einsatz sollen leichte Dieseltriebwagen kommen, die auf der Strecke nach Rendsburg-Seemühlen maximal 60 Km/h fahren werden und laut LVS sehr leise sind. Geplant ist ein Stundentakt zwischen 5.00 Uhr morgens und ca. 23.30 Uhr abends.

Darüber hinaus besteht nach Angaben der Planer die Option, die Strecke bis ins benachbarte Fockbek zu verlängern. Dafür müssten allerdings die im Jahr 2000 abgerissenen Gleise zwischen Rendsburg-Seemühlen und Fockbek auf einer Länge von 1,5 Kilometern wieder neu verlegt werden. Der erst vor wenigen Jahren angelegte Fuß- und Radwanderweg entlang der abgebauten Strecke so…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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