Analyse zur HVV-Preisreform der Grünen: Das sind die Stärken und Schwächen

Die Hamburger Grünen wollen das HVV-Tarifsystem grundsätzlich ändern, falls sie die Bürgerschaftswahl gewinnen. Wir haben analysiert, wer davon besonders profitieren soll und wer nicht.
Christian Hinkelmann
Menschen kaufen Tickets an einem Fahrkartenautomaten in Hamburg
Menschen kaufen Tickets an einem Fahrkartenautomaten in Hamburg

Vor knapp einer Woche haben die Hamburger Grünen ihre Pläne vorleget, wie sie das Preissystem im Hamburger Verkehrsverbund reformieren wollen – falls sie die Bürgerschaftswahl im kommenden Februar gewinnen. NahverkehrHAMBURG hat das Konzept für Sie analysiert und erklärt, wo die Stärken und Schwächen liegen.

Grundsätzlich wollen die Hamburger Grünen das Tarifsystem im HVV so umkrempeln, dass die sozialen Aspekte der Verkehrswende berücksichtigt werden, es einen maximalen Klimabonus gibt und viele Personengruppen davon profitieren — auch sozial schwache Bürger. Die Grünen wollen dafür das Grundprinzip des Ticketsystems verändern. Sie finden, Wohnen, Konsum und Mobilität würden mit der Geburt des ersten Kindes teurer. Darum soll durch einen „Familienbonus“ in dem Fall zumindest die Nutzung von Bus und Bahn ab dem ersten Kind günstiger und nicht teurer werden. Und auch in anderen entscheidenden Momenten des Lebens wollen sie Anreize setzen, das Auto stehen zu lassen oder es gar nicht erst anzuschaffen.

Die Grünen haben dafür eine Menge statistischer Zahlen präsentiert u.a. aus der Studie „Mobilität in Deutschland“ von 2017. Zwischen 2008 und 2017 haben sich die täglich zurückgelegten Wege in Hamburg stark erhöht: Beim ÖPNV wuchsen sie von 15,4 auf 25,9 Mio. Kilometer und beim MIV von 32,7 auf 38,2 Mio. Kilometer. Diese Zahlen machen deutlich, dass der Verkehr insgesamt zugenommen hat und es dabei trotzdem gelungen ist, den Anteil des  ÖPNV erheblich zu steigern. Für den Klimaschutz müssten die Gesamtwege im Auto aber bis 2030 auf 23 Mio. Kilometer am Tag sinken!

HVV-Fahrgastzahlen sollen jährlich um 4 Prozent zunehmen

Das soll gelingen, indem die Bürger zum einen künftig sehr viel mehr Fahrrad fahren: Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr soll von heute 15 Prozent auf 25 Prozent in 2030 ansteigen, der Anteil des Autos von heute 36 Prozent auf 20 Prozent sinken. Zum anderen soll der ÖPNV-Anteil von heute 22 Prozent auf 30 Prozent gesteigert werden. Dafür müsste die Zahl der Fahrgäste j…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Philipp Holz, 51, Sachgebietsleiter Auskunftsmedien bei der Hochbahn.

Der Herr der Umsteigezeiten im HVV

Wer im HVV von einer Linie zur anderen umsteigt, bekommt von der Fahrplanauskunft eine Zeitschätzung für den Fußweg geliefert. Dahinter steckt kein Algorithmus, sondern Herr Holz von der Hochbahn. Zur Berechnung laufen er und sein Team manche Wege direkt vor Ort ab.

18 Antworten auf „Analyse zur HVV-Preisreform der Grünen: Das sind die Stärken und Schwächen“

Ich empfinde dies als Diskriminierung. Die Grünen sollten sich mal in ihrem Übereifer überlegen, wie viele Singlehaushalte es in Hamburg gibt, die gleichzeitig Wähler sind.
Dieser Vorschlag dürfte einzig in der arabischen Welt zu Freudentänzen geführt haben…

Heute eine Meldung des Verkehrsbetriebe-Verbandes VDV:
Die Nutzung stieg kaum noch an,
weil die Kapazitäten in der Hauptverkehrszeit (nahezu) erschöpft sind.

Also erst da ausbauen,
dann kommen die Leute auch!
Mit Druckerei in Bus, U- oder s-Bahn
kann man keinen Mercedesfahrer zum Umstieg bewegen.

Korrekt. Mehr Nutzung erreicht man durch bessere Angebote und mehr Kapazität zu bestimmten Zeiten. Wir haben kein Interesseproblem, sondern ein Kapazitätsproblem!
Darum sind auch 365-Euro-Tickets sinnlos. Der ÖPNV darf mehr kosten, aber er muss auch jederzeit zur Verfügung stehen. Dann wird er angenommen!

Vergünstigungen für Familien sind sinnvoll. Für die Verkehrswende führt kein Weg an einer Verteuerung des Kfz-Abstellens und -Fahrens vorbei. Die Nutzung der knappen Fläche primär durch das fahrende und noch mehr durch stehende Kfz ist schlicht zu ineffizient und verringert die Lebensqualität in den Städten. Die Erhöhung der Pendlerpauschale ist hier ein Anreiz in die falsche Richtung gewesen.

Nicht jeder wohnt in der Großstadt und hat guten ÖPNV. Das ist der schmale Blick der besserverdienenden Stadtbevölkerung. Wer auf dem Dorf wohnt, ohne Bahnanschluss, mit drei Bussen am Tag, der kann nicht ohne Auto. Der braucht auch keine Radwege, sondern das Auto. Egal wie teuer das Benzin wird. Darum ist die Pendlerpauschale wichtig.

Die Grünen mogeln sich um die klare Sache:
365€ Jahres- Ticket für alle!
Einfach
Wenig Bürokratie
Fordert wenigstens Die Linke in Hamburg
Was Wien längst kann kann das Superreiche Hamburg lange.
Das Problem ist jedoch:
Mit welchen Bahnen + Bussen sollen dann diese vielen 365€ Kartenbesitzer fahren?
Wegen Überfüllung vor den Bahnen und Bussen stehen bleiben…..
Und noch eines:
Ein Fahrt von Bahnhof Altona bis zum Hauptbahnhof: 2,30€ Bis Berliner Tor 3,30€
Zurück gleich eine Tageskarte, wenn du nach 9 Uhr fahren willst
Die Zeittickets sind ungerechter denn je.

Diese “Reform” finde ich auch etwas murksig. gerade die Arbeitnehmer die jeden Tag zur Arbeit fahren müssten einmal entlastet werden. Und was ich besonders kurios finde ist, dass die Stadt Hamburg als größter Arbeitgeber gerade mal 5 Euronen zum Profiticket dazu gibt…jede private Firma beteiligt sich mehr. Wenn der Senat eine Steuerwirkung erzielen will, dann empfehle ich auch einmal den eigenen Angestellten und Beamten mehr als nur 5 Euro beizusteuern und so Anreize zum Umsteigen zu schaffen – zumal der Senat ja Bediensteten mit Profiticket keine Dienstfahrten erstattet. Nachdem man schon kein Urlaubgeld und den Beamten so gut wie kein Weihnachtsgeld mehr zahlt, kann man sich das wohl leisten.

“Und was ich besonders kurios finde ist, dass die Stadt Hamburg als größter Arbeitgeber gerade mal 5 Euronen zum Profiticket dazu gibt…”

Die FHH gibt (direkt) keinen Cent dazu. Sie trägt großzügig die Kosten für die jährliche Ausgabe der Tickets und den vollautomatisierten Einzug und die Weiterleitung der vom HVV geforderten 82 €/Monat vom Gehalt. Das sind aber keine 5 € im Monat, hoffentlich.

Als Mitarbeiter der FHH wäre mir natürlich lieb, wir hätten ein Angebot wie in Hessen. Andererseits ist wenig gewonnen, wenn alle nach neuen Privilegien trachten, ohne systematisch zu denken. Systematisch ist kein Grund da, warum Mitarbeiter von Großunternehmen weniger zahlen sollen als Selbständige. Ergo: Weg mit dem Profi-Ticket-Rabatt.

“Nachdem man schon kein Urlaubgeld und den Beamten so gut wie kein Weihnachtsgeld mehr zahlt”

?

Das Weihnachtsgeld war kein benefit, sondern einfach ein Teil des Jahresbruttogehalts. Das hat man aufgelöst, indem man es auf die zwölf Monate dazugeschlagen hat. Weniger Geld hatte dadurch kein Beamter.

Lieber Lokstedter hier bist Du leider falsch informiert. Bevor man das Weihnachtsgeld auf die zwölf Monate aufgeteilt hat, hat der Senat es allerdings von 66% eine Moantsgehaltes auf 20% gesenkt. Und das war dann erheblich weniger “Weihnachtsgeld!”

Danke für die Gesamt Analyse und auch der Betrachtung der situationsbedingten Paralleluniversen von Familien mit vielen Kindern. Stichwort ´manche Familienkutschen gleichen fahrenden Warenlagern´. Korrekte Beobachtung. Kann ich ebenso für den ländlichen Bereich bestätigen und stellt allein einen sehr gravierenden Kontrapunkt zum ÖPNV dar.

Mir gehen daneben (eben auch aus ländlicher Distanz) folgende Dinge durch den Kopf:
“…und das zweite und dritte Kind pro Monat je 20 Euro zusätzlich kosten. Außerdem fahren dann auch die Erwachsenen günstiger. Der Clou: ab dem vierten Kind fährt die ganze Familie gratis.”

“Allerdings liegt in Hamburg der Anteil der Ein-Personen-Haushalte derzeit bei 54,4 Prozent” (genau so habe ich Hamburg in Erinnerung)

Hier bei uns ist der Trend bei jungen Familien 4-6 Kinder anzustreben. Problematik ist nur, dass diese selbst oft ´erst´ beim 2. oder 3. Kind sind.
Wie geschrieben: hier auf´n Land! Weit weg von Hamburg. Hier haben die Leute auch größere Häuser und dementsprechende Grundstücke evtl. sogar ganze Höfe.
Aber wo leben diese Familien denn in Hamburg? Familien mit 4 Kindern auf dem Hamburger Wohnungsmarkt? Selbst bei durchschnittlicher Wohnungsgröße von 76.1qm (wohl eher bedingt durch die Winterhuder und Eppendorfer Altbauloftszene – da wohnen doch jetzt nicht ernsthaft Großfamilien)
Oder haben die ganzen Singlebörsen endlich zum Erfolg geführt? Deshalb nochmal aus dem Text: “Der Clou: ab dem vierten Kind fährt die ganze Familie gratis.”

Betrifft mich ja nicht, ist darum auch nur eine rhetorische Verständnis frage und kann daher jeder für sich selbst ergründen. Denn auch wenn sich das eben zunächst so sozial anhört: Für wen in Hamburg wollen die Grünen Politik machen?
Und hab ich das richtig mitbekommen: die sind gerade an der Macht? Aha?!

Hallo,
diese Tarifreform ist keine richtige Reform. Außer dass an Preisen für Familien gedreht wird, habe ich nichts Substantielles gefunden. Was nach 50 Jahren HVV endlich kommen muss: Ein klare und verständliche Tarifstruktur, die eingängig ist. Weg mit Zahlgrenzen, Tarifzonen, Ringen. Verständlich wird es nur mit Waben, die man durchfährt. Aus den Tarifzonen müssen Waben werden – für alle Fahrkarten (auch Einzelkarten!), egal ob man umsteigt von Bahn in Bus und umgekehrt. Den heutige Wirrwarr versteht keiner, warum der eine Weg zum selben Ziel teurer ist als der andere. Lange Strecken sind heute auch zu billig, kurze zu teuer mit tw. riesigen Sprüngen (bei nur einer Haltestelle).

Einfach mal so viele U-Bahn-Linien wie in München bauen.
Und Preise wie in München verlangen.
Dann klappt’s auch mit der Verkehrswende.

Ich bin ja leidenschaftlicher Städter, aber auch hier gilt: lieber ein Haus im Grünen als einen Grünen im Haus. Kaum hat Fegebank geworfen, sollen nun neben Luxussenioren auch Eltern unabhängig des Einkommens auf Kosten des Volkes weniger zahlen. Und wer mit lächerlichen 3,5 netto Aufwandsentschädigung das Leben rumbringen muss, zahlt wie bisher die volle Tüte. Ganz großes Kino.

Na ist doch so. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!!! (Nun gut, multiple Satzzeichen machen Aussagen nicht ausrufender, sondern ausufernder, aber sei es drum)

In Wien hat man ja gesehen, was Billigtickets bedeuten: der ÖPNV-Anteil stagnierte bei der Einführung und sank zuletzt, die Einnahmen sinken immens, die Stadt kriegt Finanzprobleme und der notwendige Ausbau der Infrastrukturen kommt nicht voran. “Geiz ist geil” hat eben auch seine Schattenseiten. So einfach ist das.

Wünsche eine besinnliche Weihnachtszeit. 🙂

So wird das nix. Der HVV muss zuverlässig fahren, d.h. pünktlich und mit der bestellten Kapazität. Und er muss für Arbeitnehmer günstiger werden. Wenn das nicht passiert, bleibt die Verkehrwende aus. Dann lieber schnell jeden Morgen mit dem eigenen Heim (Auto) n den Stau. Zudem beantworten die Grünen mit ihrem Konzept nicht die Frage, wie es geschehen konnte, dass Hamburg die Preise an due Spitze treiben konnte, obwohl sie in den letzten 22 Jahren 11 Jahre an der Regierung beteiligt waren, und der HVV sich deshalb inzwischen eine beschissene Leistung vergolden lässt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.