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Bahn-Sparpläne: Ist auch die S-Bahnlinie S6 in Hamburg in Gefahr?

Bei zahlreichen Bahnprojekten in Deutschland drohen Verzögerungen, weil Geld fehlt. Indirekt könnte davon auch die lang geplante S-Bahnlinie S6 in Hamburg betroffen sein. Das sagt die Deutsche Bahn dazu.
Christian Hinkelmann
S-Bahn auf den Süderelbbrücken in Hamburg-Wilhelmsburg
S-Bahn auf den Süderelbbrücken in Hamburg-Wilhelmsburg
Foto: Christian Hinkelmann

Haben die möglichen Einsparungen bei der Deutschen Bahn auch Auswirkungen auf die geplante S-Bahnlinie S6, die ab 2029 den Bahnverkehr zwischen der Hamburger Innenstadt und Harburg verstärken soll?

Diese Frage steht im Raum, nachdem der Spiegel am vergangenen Freitag darüber berichtet hatte, dass zahlreiche Neubauprojekte der Deutschen Bahn in der ganzen Republik auf der Kippe stünden, weil das Unternehmen wegen drastischer Kürzungen im Bundeshaushalt statt der ursprünglich zugesagten 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2027 nur noch rund 27 Milliarden Euro bekommen wird.

Von einer internen Streichliste der neuen Infrastrukturgesellschaft DB Infrago war in dem Bericht die Rede, auf der auch der Bau eines digitalen Stellwerks für die Hamburger S-Bahn stehen soll. Es ist unter anderem auch eng mit der geplanten Einführung der S-Bahnlinie S6 verknüpft.

Dass diese Liste tatsächlich existiert, haben Bahn und Bund inzwischen bestätigt. Es handle sich dabei allerdings nur um einen „Zwischenstand zu Finanzierungsvereinbarungen zwischen Bund und DB“ aus dem vergangenen Dezember, wiegelte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums gegenüber zahlreichen Medien ab. Und: Streichungen einzelner Projekte ließen sich daraus nicht ableiten.

Bund und Bahn schließen Verzögerungen nicht aus

Die Deutsche Bahn stellte die Existenz dieser Liste in einer am Montagabend veröffentlichten Pressemitteilung ebenfalls nicht infrage und erklärte, dass es „aufgrund der schwierigen Haushaltslage Ende vergangenen Jahres kurzfristig erforderlich war, die zeitliche Abfolge der Vorhaben zu überprüfen.“ Projekte, die bereits im Bau sind, würden unverändert fortgeführt. „Bei allen a…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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13 Antworten auf „Bahn-Sparpläne: Ist auch die S-Bahnlinie S6 in Hamburg in Gefahr?“

Das Problem ist doch, dass unsere Politiker der letzten Jahrzehnte es verpasst haben, dem Vorschlag von John Maynard Keynes zu folgen. In wirtschaftlich guten Zeit die Schulden zurück zu fahren. Schaut Euch mal den Schuldendienst des Bunde in Euro per Anno an. Was könnte man mit dem Geld wohl anstellen. Der Posten wird auf Grund der langen Negativzinsphase in den letzten Jahren übrigens noch kräftig steigen und von sich aus neue Schulden verursachen.
Keynes bezog sich im Wesentlichen auf die Beschäftigung. Er kannte keine Klima-Themen. Gibt es Volkswirte, die der Politik entsprechende Impulse geben? Falls nicht, muss sich unser Land möglicherweise mehr verschulden, aber noch mehr die Diskussion führen, wo Ausgaben gekürzt werden können, um zukunftsorientierte Investitionen zu ermöglichen.

Auch ich habe es primär als gute Nachricht gewertet, dass dem Bauwahnsinn nun Einhalt geboten wird. Mir tut es um jeden Quadratmeter leid, welcher zugegleist oder zubetoniert wird. Bahnstrecken, Autobahnen und Gewerbegebiete fressen sich immer mehr in unser Land und zerschneiden es in kleine Stücke.

Ich predige schon seit Jahren: keine Neubauten, sondern Vorhandenes effizienter nutzen, also mehr Nachhaltigkeit! Das digitale Stellwerk wäre wohl ein Schritt in die richtige Richtung und daher sollte es priorisiert werden.

Sie sehen das aus einer Umweltperspektive, aber wenn Sie das aus einer Wirtschaftsperspektive betrachten würden, wäre es viel holistischer. Aus wenig mehr erreichen, ist immer besser. Das sollte auch das Entscheidende sein, wenn man Investitionsentscheidungen bei knapper Kasse trifft. Wenn die Politik nicht mit der Gießkanne das Geld über das ganze Land verteilen wollen würde, würde man das Stellwerkprojekt vorziehen und andere Projekte noch länger in die Zukunft strecken.

Und was das „Beste“ ist: Es wird gespart auf Kosten der Nachbarländer. Die können sich ja gerne verschulden, um „unsere“ Waren zu kaufen. Aber langfristig ist das keine Win-Win-Situation, nur im Augenblick. Das scheint der Kern zu sein, warum auch die öffentliche Verkehrsinfrastruktur so stiefmütterlich behandelt wird. Die jetzt in Angriff genommenen kommen viel zu spät und werden schon wieder unter diesem Sparzwang angegangen.

So ist es: Hier spricht ein Anhänger von Flassbeck, Krugman und Stiglitz (Nobelpreistäger): Die Weltwirtschaft ist keine Fussballweltmeisterschaft, es geht nicht darum, die Welt mit den eigenen Produkten vollzufüllen, sondern um einen Service und Güteraustasch. Exportdefizite und Exportüberschüsse sind gleich schädlich. Deutschland lebt seit Jahrzehnten unter seinen Verhältnissen und das wirkt sich langsam auch im Inland aus.

Passend dazu gab Senator Dressel heute in der Mopo zu, dass finanziell „schwierige Jahre“ auch für HH kommen und man das „Geld zusammenhalten“ muss.

Klartext: Die ÖPNV-Party ist vorbei. Die Geopolitik hat die Musik abgestellt und wird den Haushalt noch enorm belasten.

Mit Rückzugsgefechten wird da nur noch Zeit verloren! Die Zukunft beginnt jetzt. Jetzt braucht es schnell umsetzbare neue Ideen.

das Geld ist eben nicht „alle“ und schon gar nicht hier in Hamburg. Diese ewige Schwarzseherei ist leider weit verbreitet in Deutschland. Daher finden ja auch 60% aller Deutsche die sinnbefreite und schädliche Schuldenbremse richtig. Übrigens hat Dressel diese „Wir haben kein Geld“ Ansage schon seit 3 Jahren mindestens einmal pro Jahr wiederholt.

Ob das digitale Stellwerk für die S-Bahn und die ganze S-Bahn-Digitalisierung nun Stein der Weisen sind, sei dahingestellt. Aber bei Verzicht auf unsinnige Großeprojekte, wie die Verlageung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona nach Diebsteich, der dann zwingend auch den VET erforderlich macht, könnten genug Finanzmittel freigesetzt werden, sodass der S-Bahnverkehr ausgebaut werden kann. Was an der S6 so bahnbrechend neu sein soll erschließt sich mir nicht. Sie ist doch nur ein Frequenzverstärkung der jetzigen S5 ab Neugraben. Denn die Verlägerung bis nach Lurup/Osdorf/Schenefeld kommt doch sowieso nicht, oder nicht vor 2045. Und damit bleibt die Verkerhsanbindung dieser Stadtteile auch in den kommenden 20 Jahren schlecht, nur weil in Hamburg Denkverbot in Sachen Straßenbahn herrscht.
Umgekehrt: die Mittelkürzung für die Bahn ist auch eine Chance die Projektkatalog der DB von unsinnigen, überteuerten Prestigeprojekten zu befreien und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich den Fahrgästen nutzt.

Regierung will Subventionen bei Bauern kürzen: Bauernlobby „Geht gar nicht! Müssen wir mit aller Macht verhindern.“
Regierung will Mittel für Schienenverkehrsprojekte kürzen: ‚Angebliche‘ Bahnlobbyverbände wie Prellbock: „Super, wir hätten schon Ideen, wo wir kürzen können.“

Kannst du dir nicht ausdenken…

selbst wenn man Hamburg mit einer Bimmelbahn zuschütten würde – die in Altona aber zb. flüssiger als flüssig ist, nämlich überflüssig – , würden aufgrund der Schuldenbremse die Gelder fehlen.
Ich dachte, Sie sind Investmentbanker gewesen und haben u.a. Stadtbahnen mitfinanzieren helfen? (laut ZDF Interview in 2016), dann müssten Sie besser als wir alle hier die Zusammenhänge verstehen und vielleicht auch einmal uns allen erläutern können?!
Im übrigen würde es zum verkehrlichen Supergau führen, wenn die Hinterland Anbindung von Fehmarn bis 2029 nicht im Wesentlichen fertig ist (den Fehmarnsundtunnel sehe ich eh nicht nicht vor 2035).
Selbst wenn man gegen Diebsteich und so wie ich das sehe, sind Sie nicht so positiv diesbezüglich die FHH in 2014 die Verlegung vorangetrieben. Damit mehr Menschen in Hamburg wohnen können.

Die Schuldenbremse muß weg, sonst ruiniert sich Deutschland in den nächsten 10 Jahren selbst. Diese Art epochaler ökonomisccher Selbstverstümmlung würde selbst Brüning die Schamesröte ins Gesicht treiben. Sie basiert auf dem ökonomischen Verständnis der „schwäbischen Hausfrau (klar: Diese Bezeichnung ist klischeehaft und m.E. auch frauenfeindlich) und wird die Probleme nicht nur in der Infrastruktur nur noch weiter verschärfen. Es werden genau die gleichen Fehler gemacht wie Anfang der neunziger Jahre. (da gab es wenigstens keine Schuldenbremse aber auch den Irrglauben, daß öffentliche Verbindlchkeiten per se etwas Schlechtes sein. (Allein der Ausdruck „Staatsschulden ist schon ein Anschlag auf den gesunden Menschenverstand).
Und der Rest der Welt….der lacht nur noch ob der wirtschaftspolitischen Sparidiotie (Ideologie) in Deutschland. Übrigens führt der Sparwahn der letzten 30 Jahre jetzt dazu, daß ja richtig, den zukünftigen Generationen mehr öffentliche Verbindlichkeiten hinterlassen werden als eigentlich erforderlich.

Hamburg muß halt auch das Stellwerk (vor)finanzieren.
Und bitte jetzt nicht wieder mit der U5, dem VET usw. als unbezahlbare Monsterbauten ankommen: Die werden aus einem ganz anderen Topf finanziert, der in der mittelfristigen Finanzplanung abgesichert ist.

Danke schön für Ihren Beitrag, den ich voll unterschreiben kann!
Das sind genau die Probleme, die bei uns angegangen werden müssen. (Und eben nicht, immer den gleichen Sermon über Digitalisierung, „unsinnige Großprojekte“ und Straßenbahn abzulassen.)

So isses. Ich frage mich in dem Zusammenhang allerdings auch , wird im Straßen / Autobahnbau auch gekürzt? Dort gibt es doch ziemlich viele unsinnige Projekte, z.B. die A26. Wer immer nur vom Sparen redet, hat anscheinend den Unterschied zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft nicht verstanden. Die Minister der FDP gehören definitiv zu diesen Unwissenden, sonst würden sie nicht immer von Schuldenbremse reden.

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