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Berufspendler: Ab 40 Kilometern gibt’s das Deutschlandticket geschenkt

Fernpendler profitieren vom 49-Euro-Ticket besonders stark. Das hat der Hamburger Verkehrsforscher Christoph Aberle errechnet. Was dafür nötig ist, wie gut ärmere Stadtteile in Hamburg an den HVV angeschlossen sind, warum eine fehlende U-Bahn dort gar nicht das drängendste Problem ist und was die USA bei der sozialen ÖPNV-Planung besser machen als Deutschland, erklärte er auf einer NAHVERKEHR HAMBURG-Veranstaltung.
Christian Hinkelmann
Regionalzug auf der Lombardsbrücke in Hamburg
Regionalzug auf der Lombardsbrücke in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

Das Deutschlandticket stellt ab Mai nicht nur das komplizierte Tarif-Klein-Klein im Nahverkehr komplett auf den Kopf – es macht die Nutzung von Bahnen und Bussen auch sozialer und ermöglicht finanziell armen Menschen einen Zugang zu Mobilität, wie es ihn bisher noch nie dauerhaft gab – zumindest dort, wo es ein Sozialticket gibt. In Hamburg bekommen Sozialleistungs-Empfängerinnen und -Empfänger die Deutschland-Flatrate sogar schon für 19 Euro im Monat – dank eines spendablen Senats, der den Rest übernimmt.

Doch die größten finanziellen Profiteure des Deutschlandtickets werden andere Menschen sein: Berufspendelnde mit einem Arbeitsweg ab 40 Kilometern Länge – also alles, was rund um die Hamburger Innenstadt ungefähr auf Höhe von Bad Oldesloe, Bad Bramstedt, Lüneburg, Buxtehude, Lauenburg und weiter liegt. Die klassischen Umland-Pendelstrecken.

Errechnet hat die Zahlen der Verkehrsplaner Christoph Aberle von der TU Hamburg. Ausführlich präsentierte er sie im Mobilitätstalk von NAHVERKEHR HAMBURG vor Abonnentinnen und Abonnenten am Dienstag vergangener Woche.

Demnach bekommen Berufstätige die kompletten Kosten für das Deutschlandticket über die Entfernungspauschale vom Finanzamt ersetzt, wenn sie diese Strecke täglich und als Vollzeitbeschäftige zurücklegen. Bis zu einer Entfernung von 60 Kilometern lässt sich die Pendlerpauschale maximal ausschöpfen. Wer also noch weitere Fahrtkosten hat, kann jährlich bis zu 1.079 Euro geltend machen. Wer in Teilzeit arbeitet, muss mindestens knapp 80 Kilometer von seinem Arbeitsplatz entfernt wohnen, um in den Genuss eines komplett kostenfreien Deutschlandtickets zu kommen, rechnete Aberle vor. Diese im Grunde fehlgeleitete Subvention über die Entfernungspauschale führe dazu, dass Fernpendeln in Deutschland weiterhin belohnt werde, kritisierte der Forscher. „Von der Regierung wird immer wieder die soziale K…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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6 Antworten auf „Berufspendler: Ab 40 Kilometern gibt’s das Deutschlandticket geschenkt“

Fernpendler profitieren besonders stark? Und dann noch der Hinweis zu den USA: <>

Das kann man aber auch ganz anders sehen. In vielen Innenstädten ist der ÖPNV fast wie der Aufzug immer da, wenn man an der Bushaltestelle ankommt. Dagegen sind Fernpendler doch die Gekniffenen, wenn die Bahn mal wieder zickt und ewig keine Zug kommt. Dazu braucht sie keinen Streik. Da reichen einfach Kunden. Derzeit fahren die Züge der Bahn wieder wie bis Winter 2020 jederzeit außer zu den im Fahrplan angegebenen Zeiten. Und das wird mit einem günstigen Ticket ja nicht besser. Ich erinnere mich noch gerne an den März/April vor drei Jahren, wo jeder Zug auf die Sekunde genau abfuhr, wenn auch nur mit drei, vier Fahrgästen (aber ich war täglich dabei und habe diese Zeit bewusst genossen und damals Homeoffice vehement abgelehnt, weil ja schon klar war, dass die Vertreibung aus diesem Paradies schnell kommen würde). Damals war die im Vergleich zu heute mehrfach teurere Fahrkarte jeden einzelnen Cent wert, während heute die Bahn eigentlich jedem „Fernpendler“, der trotzdem mitfährt, pauschal eine Entschädigung für ihre bloße Existenz auszahlen müsste und nicht noch 49 oder 19 EUR pro Monat verlangen dürfte.

Nur weil mal jemand festgelegt hat, dass theoretisch 45 Euro des Bürgergeldes für Mobilität gedacht sind, heißt das nicht, dass es auch am Ende des Monats dafür reicht. Die Regierung könnte jetzt auch auf ein Blatt Papier schreiben, dass sogar 50 für Mobilität vorgesehen sind, das macht die Sache dann immer noch nicht besser.

„spendabl“ ?? Hört sich nach übermäßiger Großzügigkeit an. Der reiche Onkel der dem Patenkind das Rad finanziert, kann wohl „spendabl“ sein. Beim SozialTicket geht es aber um die Teilhabe am Geselschaftlichenleben der ärmsten Mitmenschen. Das ist eine Pflicht des Staates diese zu gewährleisten! Der Betrag von 19 Euro ist immer noch sehr hoch angesichts eines Hartz-IV-Regelsatz von 449 Euro im Monat! Eine 100% Finanzierung oder zumindes ein besser ins Verhältnis des Einkommens passende Betrag von 9 Euro wie in Berlin wäre da schon wichtig. Wichtig wäre auch den Personenkreis der ein SozialTicket beziehen kann auszuweiten und die Zugangsschwellen zu senken, warum das SozialTicket nicht allen Bezieher*in von staatlicher Unterstützung zukommen lassen, Wohngeld, Kindergeld, Bafög… dann würden sich auch weitere Debatten wie die des Semestertickets auflösen.

„spendabl“ ist der Senat gewiss nicht! Da ist es auch keine Endschuldigung, dass andere Bundesländer noch unsozialer sind.

Naja, für Mobilität sieht das Bürgergeld etwas über 45 Euro vor. Das bundesweit gültige Ticket gibt’s für Berechtigte für 19 Euro und für deren Kinder komplett umsonst. Das Berliner Ticket kostet zwar nur 9 Euro, aber gilt auch nur für Berlin AB. Man kann also nicht einmal mit den Kindern ins Brandenburger Umland am Wochenende: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2023/03/berlin-senat-beschluss-9-euro-sozialticket-verlaengerung.html

Man kann auch alles schlechtreden.

Das tut ja keiner aber Deutsche wollen es eben immer allen alles auch bis ins letzte Detail recht machen und machen es dann oft niemand recht. Unabhängig davon ist es für die materiell benachteiligten Gruppen mittelfristig wichtig, daß Kinder kostenfrei mitgenommen werden können damit Familienausflüge möglich sind. Ansonsten gilt, das man ja jetzt erst anfängt.

Ach, das D-Ticket, das bis nach Japan Bewunderung ausgelöst hat (so wie damals die ersten Verkehrsverbünde), wird seit Monaten hin und wieder kleingeistig zerredet, ob von Leuten, die sich mit ihrem Wohnort gezielt in die Abhängigkeit eines Pkw begeben haben, oder eben von den Meckerzauseln, denen immer alles zu teuer ist. Dabei hat Jammern so oft Preise gesenkt wie man damit die U5 verhindern konnte. Im Abendblatt klagten kürzlich erst wieder einige Senioren übers D-Ticket, weil sie nur wenige Fahrten im Monat machen und somit weniger als 49 Euro ausgeben. Folglich haben sie durch das Ticket keinen Vorteil und nörgeln. Aber vier Kreuzfahrten im Jahr nimmt man dann weiterhin gerne mit.

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