So sollte die Busbeschleunigung in Hamburg nicht werden

In wenigen Tagen will der Hamburger Senat seine Pläne zur umfassenden Busbeschleunigung vorlegen. Angesichts der rasant steigenden Fahrgastzahlen im HVV ist das Programm quasi zum Erfolg verdammt. Dabei können auf diesem Gebiet viele Fehler gemacht werden, wie ein Blick nach Berlin zeigt.
Christian Hinkelmann
Bauarbeiten für Busbeschleunigung in Hamburg
Bauarbeiten für das Busbeschleunigungsprogramm in Hamburg

Während in Hamburg noch an der angekündigten Busoffensive gefeilt wird, sind andere deutsche Städte schon weiter. Beispiel Berlin: Dort hatte der Senat schon im Jahr 2000 ein umfassendes Beschleunigungsprogramm für Busse und Straßenbahnen gestartet. 55 Millionen Euro wurden bisher investiert. 900 Ampeln bekamen unter anderem eine Vorrangschaltung für den ÖNV eingebaut – ähnlich, wie in Hamburg geplant.

Doch wie sich inzwischen herausstellt, erwies sich das Programm offenbar als großer Flop.
Nach Angaben des „Bund der Steuerzahler“ sind die Busse seit 2008 im Schnitt gerade einmal um 0,08 Km/h schneller geworden. Das ebenfalls beschleunigte Straßenbahnsystem wurde demnach sogar um 0,3 km/h langsamer und liegt jetzt bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19 km/h.

Der Berliner Senat weist diese Vorwürfe in der „Berliner Morgenpost“ zwar zurück und betont, dass sich die Geschwindigkeit der Busse seit dem Start des Beschleunigungsprogramms von 17,55 Stundenkilometer (2000) auf 19,5 Km/h (2010) erhöht hat. Doch selbst dieser Wert entspricht gerade einmal einer Beschleunigung von gut 10 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb, bezeichnet dieses Ergebnis in der „Berliner Morgenpost“ als „erbärmlich“ und die Berliner Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling hält die ausgegebenen Millionen für „schlicht aus dem Fenster geschmissenes“ Geld.

Doch woran liegt es, dass das Busbeschleunigungsprogramm in Berlin so wenig erfolgreich ist? Hämmerling wirft den Berliner Verkehrslenkern vor, dass die bestehenden Vorrangsc…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Bis in die 1960er Jahren fuhren direkt neben dem heutigen Stadion des FC St. Pauli Güterzüge – nur eines von vielen Beispielen, wie sich die Verkehrsinfrastruktur in Hamburg in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Best-of: Als noch Züge zum Millerntor-Stadion fuhren

Neun Beispiele zeigen anhand von historischen Stadtplänen, wie stark sich die Verkehrswege in Hamburg seit den 1940er-Jahren verändert haben, wo Bahngleise und Straßen verschwunden sind und wo neue dazu kamen. Eine Zeitreise.

Der Hamburger Hauptbahnhof: der meistgenutzte Bahnhof Deutschlands – und eine historische Fehlplanung. (Foto: Christian Hinkelmann)

Hamburgs Hauptbahnhof: Ein Konstruktionsfehler seit 1906

Der Hamburger Hauptbahnhof ist chronisch überlastet. Doch das Problem ist kein neues: Historische Dokumente zeigen, dass der Bahnhof schon bei seiner Eröffnung vor rund 120 Jahren zu klein war. Eine Analyse der Fehlplanungen, die bis heute für Verspätungen sorgen – und warum die Kunsthalle abgerissen werden sollte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner