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Der App-Dschungel des HVV: Holzweg oder richtige Lösung?

Sechs verschiedene Apps bietet der HVV inzwischen an. Für fast jeden Bedarf eine eigene. Trotzdem fehlen darin bis heute teils wichtige Funktionen, die in anderen Städten längst Standard und bei Fahrgästen sehr beliebt sind. Und sind so viele Apps überhaupt der richtige Weg?
Christian Hinkelmann
Die HVV-App an einem U-Bahnhof in Hamburg.
Die HVV-App an einem U-Bahnhof in Hamburg.
Foto: Christian Hinkelmann

Bei aller Diskussion über Verkehrszahlen – eines hat das Deutschlandticket schon jetzt äußerst erfolgreich geschafft: es hat den undurchsichtigen Tarifdschungel im HVV radikal gelichtet und das Fahren mit Bahnen, Bussen und Fähren damit sehr viel einfacher gemacht. Viele Fahrkarten und Sonderlocken hat der Verbund komplett gestrichen und plant in Zukunft sogar noch eine weitere Straffung seines Sortiments.

Doch während der HVV hier das Leben für seine Fahrgäste spürbar erleichtert hat, wird der Dschungel der HVV-Apps auf der anderen Seite immer undurchsichtiger: Sechs verschiedene Apps gibt es mittlerweile vom Verbund. Zum einen natürlich die klassische HVV-App in der man sich Verbindungen heraussuchen und fast alle Tickets kaufen kann. Das Deutschlandticket gibt es dort aber nicht. Das wiederum bietet der Verbund nur in seiner HVV-Switch-App an, in der es aber nur einen kleinen Ausschnitt des HVV-Ticketsortiments zu kaufen gibt. Auch eine Fahrplanauskunft suchte man dort bisher vergeblich. Dafür kann man direkt ein Moia-Shuttle, ein Carsharing-Auto oder einen E-Scooter buchen, falls die HVV-Verbindungen zu langsam oder zu schlecht sind.

Und dann gibt es noch zwei weitere Apps, in denen sich jeweils nur On-Demand-Shuttlebusse des hauseigenen Dienstes HVV hop und Anruf-Sammeltaxis im Raum Geesthacht und den Vier- und Marschlanden buchen lassen. Wer das automatische HVV-Ticket „Any“ nutzen will, wird wiederum in keiner dieser vier Apps fündig. Dafür gibt es eine weitere App, die nur diese eine Funktion beherrscht. Und wer sein HVV-Ticket auf einer Plastikkarte gespeichert hat und die hinterlegten Daten dort auslesen will, kann das mit einer sechsten App des Hamburger Verkehrsverbunds tun.

Zu allem Überfluss sind auch noch alle diese Apps nicht miteinander vernetzt. Das bedeutet: Überall muss man eigene Nutzerkonten einrichten und Zahlungsdaten hinterlegen.

App-Dschungel zwingt oft zur Parallelnutzung

Dieser App-Dschungel und fehlende Funktionalitäten in den einzelnen Applikationen führen im Alltag oft dazu, dass man als Fahrgast verschiedene HVV-Apps parallel nutzen muss. In der klassischen App er…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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12 Antworten auf „Der App-Dschungel des HVV: Holzweg oder richtige Lösung?“

„Auch eine Fahrplanauskunft suchte man dort bisher vergeblich.“
Das stimmt nicht. Die hvv switch App kann seit einiger Zeit auch nach Verbindungen suchen. Die Funktionalität ist noch etwas eingeschränkt, soll aber erweitert werden.

Hallo Michael, darauf geht der Artikel ja ein. Haben Sie ihn gelesen?

Beste Grüße,

Christian Hinkelmann

Eindeutig richtige Lösung – ich müssen mehrere Apps sein, darunter eine einfache für die Hauptfunktionen, viele Sonderapps, und eine die alles kann.

Ich glaube eher nicht dass es so viele Fahrgäste gibt die regelmäßig verschiedene HVV-Apps parallel nutzen müssen. Ich denke dass die meisten eher Interesse an einer *einfach zu bedienenden App* haben, mit den wichtigsten Funktionen, die sie auch nutzen. Eine App mit allem wäre sicher kompliziert zu bedienen.

Andererseits gibt es schon natürlich Leute die gerne ein App mit allen Funktionen haben, das sollte man also auch anbieten.

Aber halt gleichzeitig Apps für Benutzer von speziellen Diensten (Vier- und Marschländer Sammeltaxi) oder für spezielle Gruppen (Govia Thameslink testet gerade eine App für Fahrgäste mit eingeschränter Sehfähigkeit – https://www.bbc.co.uk/news/uk-england-beds-bucks-herts-65952006).

Komisch finde ich aber auch die Kritik an der Switch-App am Artikelanfang und der ziemlich negative Vergleich zu Jelbi. Und dann erfährt man dass Switch die insgesamt zweitbeste App in ihrer Kategorie ist – hört sich nach Jammern auf hohem Niveau an.

Ja, das Leben wird nicht unbedingt einfacher durch die Digitalisierung. Als ich Kind war, habe ich meinen Fahrschein noch beim Busfahrer gekauft. Und das soll auch heutzutage in einigen Fällen durchaus noch möglich sein, wie ich hörte. Aber wie lange noch? Automaten finde ich auch gut, sofern diese leicht zu bedienen sind. Aber diese ganzen Apps für jede Lebenslage? Was ist, wenn das Smartphone unterwegs mal kaputt geht? Dann ist man völlig aufgeschmissen.

das möchte ich auf Herrn Jung antworten: Die Nutzung eines Smartphones wird in den nächsten Jahrzehnten bzw. Jahren genauso zum Alltag gehören wie vor hundert Jahren elektrischer Strom auch überall durchgesetzt hat. und ich kenne viele ältere Menschen, die durchaus mit Smartphones umgehen können. Was in Deutschland allerdings anders ist, ist die Unwilligkeit viel zu vieler, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu begreifen. Dabei geht es um weit mehr als nur eine PDF Datei usw. es wird bald gesundheits Apps geben, die Herzinfarkte erkennen können und automatisch den Notdienst informieren. Und das Barbezahlen gibt es bei den Londoner Bussen schon seit 10 Jahren nicht mehr und trotzdem fahren Rentner dort noch Bus.

Und was ist, wenn man nicht dauern mit dem Handy vor der Nase rumlaufen will, ein solches nicht besitzt, oder bedienen kann? Deis gilt gereade für ältere Fahrgöäste. Es muss doch noch möglich sein, den ÖPNV auch ohne elekronisches Hilfsgehirn zu nutzen. Dazu gehören klar verständliche Aushang-Fahrpläne und dynamische Linien und Fahrzielanzeiger an jeder Haltestelle (das fehlt weitgehend in Hamburg) sowie auch Personal, das in der Lage ist Auskünfte zu geben. Und wenn schon App, warum gibt es kein bundeseinheitliches Muster, auf das sich je nach Standort die Daten des jeweiligen Verkehrsverbundes automatisch aufspielen.

„Und was ist, wenn man nicht dauern mit dem Handy vor der Nase rumlaufen will, ein solches nicht besitzt, oder bedienen kann?“

Variante A: man holt sich für wenige Euro ein Smartphone, lässt sich den Ticketkauf (paar Klicks) einmalig erklären und steckt es einfach in die Tasche. Man sollte Ältere nicht für lernunfähig erklären.

Variante B: man nutzt einen Fahrscheinautomaten. Das geht auch mit Klimpergeld.

Variante C: man holt sich eine Prepaid-Karte. Die Nutzung kriegt jeder hin, der in den 90ern eine Telefonzelle mit Geldkarte bedienen konnte.

Kein Wunder, dass Deutschland bei der Digitalisierung abgehängt wird.

„Ende Juni 2020 startete Switch lediglich mit Moia, erst zehn Monate später (17. Mai 2021) kam mit Sixt Share der erste Carsharing-Anbieter hinzu, weitere vier Monate später dann Miles und der Roller-Vermieter Tier (5. Oktober 2021) und noch einmal zehn Monate später (9. August 2022) We Share. Seitdem wurde das Angebot nicht mehr ergänzt.“

…kleine Korrektur: Im Herbst 2022 kam Voi als weiterer Roller Anbieter hinzu.

Und wer vom HVV-Profiticket auf das Deutschland-Ticket umsteigen wollte, wurde von der DB auf eine weitere Plattform mit neuer Registrierung gezwungen.
(Allerdings nur per Browser, ohne Installation einer eigenen App. Ein vorhandenes Konto bei bahn.de nützte da ebenso wenig wie eins in der HVV-App für den früher gelegentlich erforderlichen Kauf von Ergänzungskarten.)

Ich als doch regelmäßiger Nutzer des HVV Angebotes muss auch feststellen das sich da ein Dschungel an Apps gebildet hat…
Wäre sehr erfreulich wenn dort auch mal die Axt angelegt wird um den App-Wald zu lichten
Ärgerlich ist zudem das bei U-Bahn und Bus die HVV App sich gut bewährt hat, jedoch beim Blick auf S- und Regionalbahnen der DB Navigator unabdingbar bleibt.

Danke für den guten Überblick in Sachen Apps! M.E. hat der hvv im Marktvergleich leider oft die schlechten Lösungen gewählt: Besonders ärgerlich ist der Algorithmus zur Verbindungssuche. Dieser ist m.E. der schlechteste von allen in Deutschland verwendeten und zeigt sehr oft widersinnige Verbindungsvorschläge an. Entsprechend wird diese geofox-Lösung gefühlt auch nirgends anders genutzt.

Da könnte man mit der App der Tiroler (Basis ist die Hacon-Lösung aus Hannover) vieles besser machen, aber halt, da haben wir doch schon etwas im Angebot: Der Fahrplaner des VBN aus Bremen. Gleiche Lösung wie in Tirol. Dort werden die real-time-Daten der Hamburger eh gehostet und diese App besitzt eine perfekte Verbindungsauskunft, auch für alternative Verkehrsmittel. Fehlt nur noch die Ticketkaufoption für Hamburg …

Die Züricher sind in Sachen Apps schon weiter :-): Sie haben gestern die Reißleine gezogen und stellen ihre Multmodal-App Zürimobil nach der Projektlaufzeit zunächst ein. Die dortigen Zahlen hinsichtlich Nutzung waren sehr ernüchternd, auch wenn man von einem Erfolg spricht. Die einzigen Zahlen zu Hamburg zeigten vor einiger Zeit ebenfalls ein desaströses Bild: Die Nutzung von switch war extrem gering und beschränkte sich im Wesentlichen auf einen einfachen Ticketkauf.

Verständlich, denn ein Aspekt fehlt in dem Artikel noch: Bei Jelbi, redy, MVGO, switch etc. kann man nie sicher sein, dass man ein günstiges Angebot bekommt. Alle Anbieter wie Tier, Miles etc. haben jeweils Angebote, Pakete, Guthaben, Coupons, Bonusprogramme etc. All dies ist dem Switchnutzer verschlossen: Er zahlt immer den Normalpreis. Daher nutze ich die Tiefenintegration sehr selten und gehe auf die Einzel-Apps.

Quintessenz: Eine vernünftige App für’s Kerngeschäft (Basis: Fahrplaner), darin optional weitere Mobilitätsoptionen anbieten und dann auf die Spezialapp weiterleiten. Den Rest einstellen und sich auch mal ehrlich machen, was die Zahlen angeht. Wo kann ich mein Honorar für die neue App-Stratiegie und die Kostenreduzierung abholen :-)?

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