Hoffnungslos überfüllte Züge, Enge, Gedrängel, Stehen, dazu tagtäglich Verspätungen und Ausfälle. Wer südlich von Hamburg wohnt und mit der Bahn in die Hansestadt zur Arbeit, Uni oder Berufsschule muss, braucht starke Nerven und ein dickes Fell. Bequemes Reisen und die Möglichkeit, während der Fahrt zu entspannen oder zu arbeiten, sind meist nur leere Werbeversprechen. Die Verkehrswende, von der so viel gesprochen wird, und die von der Politik erwünschte Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 scheinen ferne Träume zu sein.
In den vergangenen Jahren ist die Qualität des Bahnverkehrs südlich der Elbe sogar gesunken, statt gestiegen. Zwischen Januar und Juli 2023 waren nur knapp 83 Prozent aller Züge auf den beiden Hauptstrecken von Hamburg Richtung Bremen und Uelzen pünktlich, bzw. weniger als fünf Minuten zu spät. Im Jahr 2020 waren es noch 91 Prozent, wie die Landesnahverkehrsgesellschaft in Niedersachsen (LNVG) auf Nachfrage von NAHVERKEHR HAMBURG mitteilte. Dazu kommen die seit Monaten andauernden Totalausfälle wegen Personalmangel bei der Bahngesellschaft Metronom, die diese beiden Strecken befährt.
Die Hauptgründe für die vielen Verspätungen sind laut LNVG neben Wetter, höherer Gewalt, gefährlichen Ereignissen und Bauarbeiten vorwiegend Störungen an der Infrastruktur der Deutschen Bahn – also an Gleisen, Signalen, Weichen und Bahnübergängen. „Die schlechten Pünktlichkeitswerte haben Ihre Ursache auch insbesondere in der hohen Auslastung und Überlastung der Strecken und des Eisenbahnknotens Hamburg“, so LNVG-Sprecher Dirk Altwig.
Dass sich angesichts dieser Umstände überhaupt noch jeden Tag zehntausende Menschen in die Regio-Züge gen Hamburg quetschen, mag wohl hauptsächlich an der Alternativlosigkeit liegen. Die tagtäglichen Staus vor dem Elbtunnel machen die Autofahrt nicht unbedingt schneller und viele Menschen können und möchten sich keinen eigenen Wagen für die Großstadt-Pendelei leisten.
Eine substanzielle Besserung für Bahn-Pendlerinnen und -Pendler ist nur in Sicht, wenn die Hauptprobleme gelöst werden: wenn die Infrastruktur südlich der Elbe zuverlässiger wird und mehr Platz auf den Gleisen entsteht. Vor allem die Strecke von Hamburg über Uelzen nach Hannover steht dabei im Fokus, denn sie gilt als eine der meistbefahrenen Verbindungen Deutschlands und ist seit vielen Jahren hoffnungslos völlig überlastet.
Doch genau bei dieser Strecke ist die Zukunft ungewiss. Seit Jahrzehnten wird in der Region über einen Ausbau, bzw. über einen alternativen Neubau zwischen Hamburg und Hannover diskutiert, mit dem die alte Strecke entlastet werden könnte. Konkret passiert ist bislang nichts und die Meldungen über eine Verschiebung der anstehenden Generalsanierung und eine vertagte Entscheidung über eine zusätzliche Neubaustrecke dürften die Sorgen der Pendlerinnen und Pendler noch verstärkt haben.
Was erwartet die Fahrgäste zwischen Hamburg, Lüneburg und Uelzen in den nächsten Jahrzehnten? NAHVERKEHR HAMBURG analysiert die drängendsten Fragen: Wird es noch schlimmer? Wo liegen die Engpässe? Und ab wann können endlich mehr Züge fahren? Lesen Sie hier, auf welche Herausforderungen Sie sich in den nächsten Jahrzehnten einstellen müssen.
Die aktuellen Engpässe
Am 5. Dezember 2011 ist das passiert, was sich schon länger abzeichnete: Die Deutsche Bahn erklärte die wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen Hamburg und Hannover gegenüber…
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