Preise für Bahnen und Busse steigen deutlich stärker als beim Auto

Allen Forderungen und Versprechen der Politik zum Trotz: Die Fahrpreise für den Öffentlichen Nahverkehr steigen seit Jahren deutlich stärker als für das Autofahren. Und sie steigen bald weiter.
Christian Hinkelmann
Ein Regionalzug der Deutschen Bahn fährt durch Hamburg-Eidelstedt
Ein Regionalzug der Deutschen Bahn fährt durch Hamburg-Eidelstedt

Seit vielen Jahren fordern Politiker sämtlicher Parteien umweltfreundliche und bezahlbare Mobilität. Doch die Realität in Deutschland sieht bis heute anders aus. Denn wer mit Bahnen und Bussen fährt, muss deutlich größere Preissteigerungen hinnehmen als ein Autofahrer.

Das berichtet DIE ZEIT (siehe hier) und beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach sind die Fahrkosten im Öffentlichen Nahverkehr in Deutschland zwischen 2000 und 2018 um fast 79 Prozent gestiegen. Der Kauf und der Unterhalt von Kraftfahrzeugen (inkl. Spritkosten, Kfz-Steuer, Reparaturen, Versicherung und Stellplatz) ist dagegen im selben Zeitraum nur um gut 36 Prozent angestiegen.

Preisanstiege für den ÖPNV liegen weit über Inflationsrate

Der Anstieg der Verbraucherpreise lag in dem Zeitraum bei 30 Prozent, was bedeutet, dass die Fahrpreisanhebungen im Schnitt weit über der Inflationsrate lagen.

Die Preise für Bahntickets im Fernverkehr erhöhten sich laut ZEIT um knapp 57 Prozent. “Obwohl das Ziel bezahlbarer, umweltfreundlicher Mobilität seit Jahren auf der politischen Agenda steht, ist für Menschen ohne Auto Mobilität nicht billiger, sondern teurer geworden”, schlussfolgert die Zeitung.

Dazu kommt, dass ein Großteil der realen Kosten, die durch das Autofahren entstehen, von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Das hat eine aktuelle Studie des Züricher Infras Instituts im Auftrag des Bahn-Lobbyverbands Allianz pro Schiene herausgefunden (siehe hier).

Autoverkehr verursacht jährlich 141 Milliarden Euro Folgekosten

Dem…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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Wie möchte ein Verein wie Pro Bahn mit solchen Aussagen ernstgenommen werden? Tatsächlich betrug das Energiesteueraufkommen 2017 rund 41 Mrd. Euro, ganz überwiegend auf Diesel und Benzin für den Pkw- und Lkw-Verkehr entfallend. Mit dem „Gewinn“ aus dem Bahnverkehr könnte man in Deutschland keine Zuschüsse zum Rentensystem finanzieren!

“…auch der LKW wird’s ja , erstmal auf kurzen Autobahnstücken aber dann auch bundesweit.”

Nein. Es sind erst mal nur Teststrecken hergestellt. Wenn der Test daneben geht, wird auch nicht bundesweit weitergemacht.

“Wenn der Test (für Oberleitungs-Lkw) daneben geht,
wird auch nicht bundesweit weitergemacht.”

Das glauben auch nur Sie.
Die Lkw-Lobby ist so stark,
dass sie den weiteren Ausbau politisch durchsetzen wird.

Denn grundsätzlich funktioniert es,
das gleiche System mit zwei Leitungen
und zwei Stromabnehmern
gibt es schon sehr lange
bei Lkw in Tagebau-Gruben.

Ähnlich auch schon lange beim O-Bus.

Aber eigentlich ist es nur hinausgeworfenes Geld.
Mehr container auf die el. güterzüge
hätte energiemäßig die gleiche Wirkung.
Medienmäßig wäre es allerdings ein alter Hut
und damit kaum erwähnenswert.

Das eHighway-System hat tatsächlich nicht nur Freunde, so hält Daimler überhaupt nichts davon und viele Politiker wegen der erwarteten Akzeptanzprobleme (Ästhetik, Sorgen vor Oberleitungsrissen mit Autobahnvollsperrungen) ebenfalls nicht. Und jeder seriöse Verkehrswissenschaftler, auch der Die-Hard-Bahnfan, wird Ihnen bestätigen, dass die Schieneninfrastruktur auch bei einem massiven Ausbau nicht die stark steigenden Gütermengen transportieren können wird, während die Autobahnen noch deutlich mehr Güterverkehr aufnehmen können und deshalb künftig noch wichtiger werden. Aber das wissen Sie ja sicherlich.

“Die Lkw-Lobby ist so stark, dass sie den weiteren Ausbau politisch durchsetzen wird.”

Na, wenn Sie so weit in die Zukunft blicken können, kann natürlich meine Winzigkeit nichts dagegen sagen. Wir werden es also erleben, wie alle Autobahnen mit Oberleitungen ausgestattet werden, weil die LKW-Lobby so stark ist.

Peinlich ist nur, dass SPD und Grüne in Hamburg sich nicht von dem “Pro Auto” Trend abkoppeln, sondern diese Politik fleissig mittragen. Besonders traurig ist, dass die Grünen in Hamburg sich so meilenweit von ihren ursprünglichen Wurzeln entfernt haben, die Preiserhöhungen bei HVV genauso mittragen, wie fahrgastfeindliche Großprojekte, wie die Schließung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona und seine Verlagerung nach Diebsteich. Noch immer fehlt ein dem Klimawandel angepasstes ÖPNV-Gesamtkonzept für Hamburg. Stattdessen werden Mega-teure U-Bahnlinien geplant, die keiner finanzieren kann und nur dazu dienen sollen, mehr Straßenraum für den Autoverkehr frei zu machen. Projekte die am Ende der Tage nicht finanzierbar sind zu planen ist das Eine, Projekte, die sich schnell umsetzen lassen nicht anzufassen, weil mit ideologischen Denkverboten behaftet (Thema Wiedereinführung der Straßenbahn in Hamburg) wird sich noch bös rächen.

Das ist auch sinnvoll so, wie’s ist. D. ist eine Autoland und da hat “die Politik” die Aufgabe dies zu fördern und möglichst nicht nur steuerlich, sondern auch wo’s sonst geht, wie eben bei den Kostendeckungsgraden der Verkehrsunternehmen. Und das ist auch die Antwort auf die, die meinen, es gehe mit der DB AG vorwärts. Die wird nach Honeckers Modell: Ruinen schaffen ohne Waffen unwiedereinholbar auf Verschleiß gefahren, egal wer vorn dran ist im Vorstand oder “der Politik ” auf Bundesebene – der Regionalpolitiker Scheuer ist nicht schlechter ,vielleicht nur “nicht so gut aufgestellt” wie die diversen SPD-Vorgänger seit Jahrzehnten.
Wir haben den Fernbus bekommen und kriegen weitere Autobahnen gebaut. Unsere Privat-PKW werden, ordentlich subventioniert, elektrifiziert und auch der LKW wird’s ja , erstmal auf kurzen Autobahnstücken aber dann auch bundesweit. VW und Daimler Benz wollen doch weitere LKW verkaufen, wenn’s schon mit den PKW holpert.

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