Warum die geplante Parkgebühr-Erhöhung in Hamburg kein Aufreger ist

Parken in Hamburg soll ab dem Sommer teurer werden. Doch ein Langzeitvergleich mit den HVV-Ticketpreisen und ein Gebühren-Check in anderen Großstädten zeigt: Die Preiserhöhung bewegt sich in einem unauffälligen Feld. Zwei andere Metropolen sind da deutlich radikaler unterwegs.
Von Christian Hinkelmann
Auto, Hamburg, Individualverkehr, Parken, Parkplatz
Parkende Autos in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

Die offenbar von der Hamburger Verkehrsbehörde geplante Erhöhung der Parkgebühren zum 1. Juli hat in den vergangenen Tagen heftige Reaktionen hervorgerufen. Die BILD, die zuerst darüber berichtete, sprach von „Parkgebühren-Abzocke“ und „Gebühren-Explosion“ (siehe hier).

Der Hamburger CDU-Verkehrspolitiker Richard Seelmaecker bezeichnete die Pläne als „grünen Gebührenhammer“. Abkassieren lindere keinen Parkdruck, so seine Meinung. Und der AFD-Fraktionschef Dirk Nockemann forderte: “Der einseitige Kampf gegen das Auto und damit Hunderttausende autofahrende Bürger muss aufhören.”

Doch ist die Aufregung gerechtfertigt? NAHVERKEHR HAMBURG hat die Parkgebühren in mehreren deutschen Großstädten miteinander verglichen und zusätzlich die Preisentwicklung der Hamburger Parkgebühren über einen Zeitraum von 20 Jahren mit den Preiserhöhungen von HVV-Tickets in Relation gesetzt, um herauszufinden, ob Autofahrerinnen und Autofahrer tatsächlich überdurchschnittlich benachteiligt werden.

Dazu wurden die Preise, die für das Parken in der Innenstadt (Zone 1) und in den Stadtteilen drumherum (Zone 2) mit den Preisen einer HVV-Einzelfahrkarte (Großraumbereich, bzw. Hamburg AB) und einer 9-Uhr-Tageskarte ab dem Jahr 2002 betrachtet. Beide Karten gehören zu den meistverkauften Tickets im HVV und bilden die durchschnittlichen Preiserhöhungen des gesamten Fahrkartensortiments in den vergangenen 20 Jahren gut ab.

Der Langzeitvergleich zeigt: Auch bei einer Gebühren-Erhöhung in den innenstadtnahen Stadtteilen (z.B. Eimsbüttel oder Winterhude) von derzeit 2,00 Euro auf künftig 2,50 Euro pro Stunde ist Parken in der City und drumherum immer noch günstiger als ein HVV-Einzelfahrschein im Bereich Hamburg AB. Und: Die durchschnittliche Preisentwicklung im 20-Jahres-Vergleich wäre auch nach einer Gebührenerhöhung in diesem Sommer immer noch fast identisch mit den Preisanstiegen bei HVV-Einzelfahrscheinen (siehe Trendlinien-Diagramm).

Preisentwicklung weitgehend gleichauf

Während sich die HVV-Einzelkarte allerdings seit 2002 in fast jährlichen Schritten kontinuierlich verteuert hat, sind die Parkgebühren in Hamburg von 2002 (eigentlich sogar seit 1993) bis Ende 2015 über viele Jahre unverändert geblieben. Erst nach Regierungsbeteiligung der Grünen stiegen die Preise dann in zwei kurz aufeinanderfolgenden Schritten in den Jahren 2016 und 2017. Danach folgte eine weitere vierjährige Pause – bis zur jetzt gep…

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3 Antworten auf „Warum die geplante Parkgebühr-Erhöhung in Hamburg kein Aufreger ist“

Parkgebühr Hamburg. Der Artikel ist gut. Die Grafik wird anschaulicher und die Entwicklung vergleichbarer, wenn keine Absolupreise dargestellt werden, sondern alle Kurven mit 1 beginnen und von dort aus die relative Entwicklung gezeigt wird. LG

Aber ganz gewiss wird dieses Alibihandeln bezüglich einer echten Umweltpolitik gut hanseatisch “kommuniziert” werden. Da bin ich mir ganz sicher. Eben wie die “Umwelthauptstadt Europas” auf Vorschuss oder ein Nobelpreis auf reine Anwesenheit.
Was “weh tun” könnte wird halt ausgesessen oder gemieden. Aber immer gut nach außen hin aussehen. Eben das Prinzip “Wasch mich, aber mach mich nicht nass!” (siehe die Beispiele in meinen Antworten zu diesem Artikel: https://www.nahverkehrhamburg.de/pop-up-radwege-im-vergleich-ist-hamburg-zu-teuer-unterwegs-191096/ )

Wann war eigentlich das letzte Mal klassisches Hamburger Schmuddelwetter, so richtig mit feinem, durchdringendem Nieselregen? Ich glaube 1999, als ich nach Hamburg gekommen war. Macht nichts, dieser Sommer wird in Hamburg bestimmt wieder besonders heiß. Woran könnte das nur liegen?

Ja, dass die Kritik zuerst von der Bild kam, sagt schon viel aus. Aber zur Sache: Aus meiner Sicht ist es wirklich ein Jammern auf hohem Niveau. Und nur weil es keine Vergünstigung fürs Auto gibt oder einen tollen neuen Service, heißt es noch lange nicht, dass man die Autofahrer*innen generell zum “Feind” erklärt. Deswegen finde ich es gut, dass hier noch mal die Preise gegenübergestellt wurden. Was auch hierbei wieder auffällt, ist, dass beim ÖPNV immer ganz genau geguckt wird, wie viel etwas kostet. Wenn beim ÖPNV Geld gesparrt werden kann bzw. wenn die Preise (angepasst) werden müssen, gibt es immer noch sehr viele Menschen, die dafür Verständnis haben. Letztlich wird der ÖPNV wohl als nötiges Übel wahrgenommen, der “Unkosten” verursacht. Beim MIV hingegen ist eine Preisstabilität, Subvention eine vernünftige, normale, logische Sache. Alles, was dem gegenübersteht, gilt gar als wirtschaftsfeindlich oder wählerunfreundlich und ungerecht. Dann wird gerne darauf hingewiesen, dass Autofahrer*innen extrem hohe Steuern zahlen. Ja, das mag sein. Reicht aber trotzdem nicht die Kosten des Staates zu decken.

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