Warum Wien keine autonome Busse mehr fahren lässt und mit welchen Problemen ein selbstfahrender Bus in Hamburg zu kämpfen hat

Wind, Laub und Falschparker bringen selbstfahrende Busse an ihre technischen Grenzen. Wien hat seine Experimente damit beendet. Und bei einem ähnlichen Projekt in Hamburg mussten sich die Verantwortlichen von zwei ursprünglichen Zielen verabschieden.
Martina Kalweit
Neues Alltagsbild in der HafenCIty: Ein selbstfahrender Bus der Hochbahn
Neues Alltagsbild in der HafenCIty: Ein selbstfahrender Bus der Hochbahn

Die Seestadt Aspern ist so etwas wie die HafenCity Wiens. Auf einem ehemaligen Flughafengelände sieben Kilometer nordöstlich der Innenstadt entsteht auf einer Fläche von 240 Hektar eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Wie in der HafenCity gehören bestimmte Standards zur Planung. Man will Wohnen und Gewerbe zusammenbringen, viel Grün erhalten, innovativ bauen und modern vernetzen. Der U-Bahn-Haltepunkt war schon da, bevor das erste Haus stand. Außerdem beteiligten sich die Wiener Verkehrsbetriebe mit autonom fahrenden Bussen an der mobilen Infrastruktur. Seit dem 6. Juli 2019 rollten zwei Fahrzeuge des französischen Herstellers NAVYA auf einer Strecke von 2,2 Kilometern durch die Seestadt.  

Am 23. Juni 2021 waren die Busse, die jeweils zehn Fahrgäste fassen, zum letzten Mal in Aspern unterwegs. „Das Projekt hat gezeigt, dass der Weg zum autonomen Fahren im Personennahverkehr noch ein weiter ist“, so das offizielle Fazit.

Aber, ergänzt Barbara Pertl, Pressesprecherin der Wiener Linien auf Nachfrage von NAHVERKEHR HAMBURG, „wir haben viel gelernt“. Die Probleme waren schnell ausgemacht. Sie lagen auf der Straße oder fielen vom Himmel. Die Erfahrungen aus Wien zeigen, dass Witterungseinflüsse wie Wind, Schneefall, Starkregen oder Nebel die sensible Sensorik der Fahrzeuge schnell aus dem Takt bringen. Bei Schneefall zum Beispiel setzen die Sensoren aus. Dann muss der Mensch übernehmen, der im Testbetrieb immer an Bord ist und per Joystick manuell steuern kann. Aber auch bei gutem Wetter musste der „Operator“ in der Seestadt oft übernehmen.

Ein junges Stadtviertel entwickelt sich permanent weiter, kartografierte Umgebungen verändern sich. Diese Veränderungen werden vom Fahrzeug im Einsatz gescannt. In der Wiener Praxis führte das zu ungeplanten Stopps, deren Ursache nicht immer auf den ersten Blick erkennbar war. Zum Beispiel an einer Spalte im Straßenbelag, in der im Frühling die ersten Gänseblümchen durch den Asphalt …

Alle Rechte vorbehalten.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, teilen Sie gern den Link.

Ihr Zugang ist persönlich und darf nicht geteilt werden. Sie dürfen Artikel oder wesentliche Teile davon nicht vervielfältigen, veröffentlichen oder weiterleiten (z. B. in Pressespiegeln, per E-Mail, Messenger oder als PDF). Für diese Nutzungen ist eine gesonderte Lizenz nötig.

Lizenzinformationen: info@nahverkehrhamburg.de

Der Kopf hinter diesem Artikel

Martina Kalweit arbeitet als freie Journalistin in Reinbek. Zuvor pendelte sie jahrelang in ihre Stammredaktion am Hamburger Hafen. Mit allen mobilen Angeboten vertraut, ist ihr der E-Roller heute am liebsten. Martina Kalweit schreibt für NAHVERKEHR HAMBURG und für verschiedene Medien über Film, Fernsehen und das Kulturleben im Norden.

Auch interessant

Bis in die 1960er Jahren fuhren direkt neben dem heutigen Stadion des FC St. Pauli Güterzüge – nur eines von vielen Beispielen, wie sich die Verkehrsinfrastruktur in Hamburg in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Best-of: Als noch Züge zum Millerntor-Stadion fuhren

Neun Beispiele zeigen anhand von historischen Stadtplänen, wie stark sich die Verkehrswege in Hamburg seit den 1940er-Jahren verändert haben, wo Bahngleise und Straßen verschwunden sind und wo neue dazu kamen. Eine Zeitreise.

Diese Brücke hinter dem S-Bahn-Zug darf nicht mehr befahren werden - Ausfädelung der Bahnstrecke nach Diebsteich am S-Bahnhof Holstenstraße. (Foto: Christian Hinkelmann)

Holstenstraße: S-Bahn bleibt noch lange gestört

Marode Brücke an der Holstenstraße muss laut Bahn abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dass die DB dazu keinerlei Zeitplan nennt, lässt wenig Gutes erwarten.

"Jede Minute, die der Bus außerhalb der Haltestellen nicht fährt, ist eine verlorene Minute, in denen die Fahrerinnen und Fahrer Geld kosten, keine Leistung erbringen können und an anderer Stelle fehlen", meint der Hamburger Verkerhsplaner Arne Witte.

Best-of: Busverkehr in Hamburg: „Rote Ampeln verschärfen den Personalmangel“

Zu langsam, zu teuer, zu unattraktiv: Hamburg verschwendet mit seinem derzeitigen Bussystem viel Steuergeld und wertvolles Personal, meint der Verkehrsplaner Arne Witte im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview und glaubt, dass die vorhandenen Ressourcen viel effizienter für die Verkehrswende eingesetzt werden könnten. Das sind seine Ideen und Vorschläge.

2 Antworten auf „Warum Wien keine autonome Busse mehr fahren lässt und mit welchen Problemen ein selbstfahrender Bus in Hamburg zu kämpfen hat“

Die Hochbahn wäre besser beraten, wenn sie ihre technischen Kapazitäten auf die Wiedereinführung der Straßenbahn in Hamburg konzentrieren würde, als auf technischen Spielkram der sehr wenig den Fahrgästen aber umso mehr den Großkonzernen nutzt, die auf diese Weise einen Teil der Entwicklugnskosten für eine technische Sackgasse von der öffentlichen Hand finanziert bekommen. Von einem 300 km Straßenbahnetz, welches man für die Hälfte der Kosten des U-5-Projektes bekäme, hätten hunderte von Millionen von Fahrgästen etwas, von autonom fahrenden Bussen doch nur die Besucher der Showveranstatlung ITS, die im Oktober in Hamburg stattfindet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner