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Baustart der S-Bahnlinie S4 ist vorerst abgesagt

Die Deutsche Bahn hat den Baustart für die geplante S4 vorerst auf Eis gelegt. Grund sind zwei Eilanträge vor dem Bundesverwaltungsgericht. Was das bedeutet und wie es jetzt weiter geht.

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S4-Sonderzug in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein
S4-Sonderzug in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein während einer Testfahrt im Jahr 2011

Nach knapp zehn Jahren Planung sollten eigentlich in der vergangenen Woche die ersten vorbereitenden Bauarbeiten für die neue S-Bahnlinie S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe beginnen. Dabei sollten erste Bäume gefällt und Baustraßen eingerichtet werden. (siehe hier).

Doch kurz bevor die ersten Bagger zwischen Hasselbrook und Wandsbek anrollten, hat die Deutsche Bahn den Baustart abgeblasen und vorerst auf Eis gelegt – obwohl seit sechs Wochen eine Baugenehmigung mit „sofortiger Vollziehbarkeit“ vorliegt (siehe hier).

Der Grund dafür sind zwei Eilanträge und eine Klage gegen das Bahn-Projekt, die beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingegangen sind. Das bestätigte die Pressestelle des Gerichts auf NahverkehrHAMBURG-Nachfrage. Vor einigen Wochen hatten Gegner des Schienenausbaus so einen Schritt bereits angekündigt (siehe hier).

Im schlimmsten Fall drohen lange Verzögerungen

Die Eilanträge gegen den Planfeststellungsbeschluss haben ein Ziel, wie ein Bahn-Sprecher gegenüber NahverkehrHAMBURG bestätigte: Sie sollen einen sofortigen Baustart verhindern.

Und offenbar haben diese Anträge auch bereits eine erste Wirkung entfaltet: Zwar hat das Gericht noch nicht über diese Anträge entschieden, wie NahverkehrHAMBURG erfuhr, aber es hat der Deutschen Bahn immerhin die Vorgabe gemacht, mit der Umsetzung des Bauvorhabens zunächst grundsätzlich nicht zu beginnen, so der Bahn-Sprecher auf Nachfrage. „Die DB wird die Vorgaben des Bundesverwaltungsgerichts selbstverständlich einhalten.“

Nun wird sich das Bundesverwaltungsgericht den Anträgen und der Klage annehmen. Wann die Richter in der Sache entscheiden und wie weit sich in der Folge der Baustart der S4 nun verzögert, ist derzeit völlig offen.

Die Bahn macht dazu keine Prognosen und teilte auf diese Frage nur mit, dass derzeit „verschiedene Szenarien geprüft und dem Bundesverwaltungsgericht vorgelegt“ würden. Auch die Pressestelle des Gerichts machte auf Nachfrage keine Zeitangaben und verwies darauf, dass die Eilanträge erst Ende September dort eingegangen seien.

Deutsche Bahn ist zuversichtlich

Offen ist auch, was passieren würde, wenn die Eilanträge vor Gericht Erfolg haben sollten und somit die Klage gegen den Bahn-Ausbau eine aufschiebende Wirkung hätte. Im schlimmsten Fall könnten lange Verzögerungen drohen, bis ein Urteil gefällt ist.

Die Deutsche Bahn rechnet unterdessen nicht damit, dass es überhaupt soweit kommen wird: „Wir gehen davon aus, dass der vom Eisenbahn-Bundesamt erlassene Planfeststellungsbeschluss vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wird“, erklärte der Bahn-Sprecher gegenüber NahverkehrHAMBURG.

Buschhüter: „Auf ein paar Wochen kommt es nun nicht mehr an“

Auch der verkehrspolitische Sprecher der Hamburger SPD, Ole Thoben Buschhüter, der sich seit vielen Jahren für den Bau der S4 einsetzt, bleibt zuversichtlich. „Natürlich hätte ich mir einen sofortigen Baubeginn für die S4 gewünscht. Auf der anderen Seite ist es das gute Recht der Anliegerinnen und Anlieger, die Rechtmäßigkeit des Projekts gerichtlich überprüfen zu lassen“, sagte er gegenüber NahverkehrHAMBURG. „Dass die DB nun erst einmal abwartet, bis das Bundesverwaltungsgericht eine Entscheidung über die Eilanträge getroffen hat, ist nur vernünftig. Darüber wird es bald Klarheit geben und auf die paar Wochen kommt es nun auch nicht mehr an. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Gericht den Bau der S4 am Ende nicht aufhalten wird.“ Nach seinen Worten habe die Deutsche Bahn „eine gute und gut begründete Planung vorgelegt.“

Nach den bisherigen Plänen sollte die S4 im Jahr 2025 zwischen Altona und Rahlstedt teileröffnet werden. Die Gesamtinbetriebnahme der S4 bis nach Bad Oldesloe war bisher für die Jahre 2027/2028 vorgesehen.

S4 ist eines der größten Bahn-Bauprojekte im Norden

Das S-Bahn-Projekt S4 ist eines der größten Bahn-Bauvorhaben in Norddeutschland in den kommenden Jahren und gliedert sich in drei Bauabschnitte. Nur für den ersten rund 2,8 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem S-Bahnhof Hasselbrook und der Luetkensallee in Wandsbek liegt bislang Baurecht vor. Er umfasst die Ausfädelung von zwei neuen S-Bahngleisen am Bahnhof Hasselbrook aus dem bestehenden Netz und beinhaltet den Bau von zwei neuen S-Bahn-Gleisen parallel zur Bahnstrecke Hamburg – Lübeck verlaufen (was dort noch geplant ist, lesen Sie hier). Für die beiden anderen Abschnitte der S4 laufen derzeit noch die Planfeststellungsverfahren. Noch gibt es keine Prognosen, wann hier mit den entsprechenden Beschlüssen zu rechnen ist.

Entlang der Strecke haben sich mehrere Initiativen gebildet, die gegen den Bau zusätzlicher Gleise sind. Sie befürchten, dass mit den zusätzlichen S-Bahn-Gleisen auf der Fernbahnstrecke mehr Kapazitäten für Güterzüge entstehen. Zudem befürchten sie laut einer Pressemitteilung, dass sich Wandsbek und Rahlstedt „für mindestens 5 Jahre in eine einzige lärmende Großbaustelle verwandeln“ würden (siehe hier).

S4 soll 250.000 Menschen neu an Hamburger S-Bahn anbinden

Die S4 soll den Regionalverkehr auf der hochbelasteten Bahnstrecke zwischen Hamburg und Lübeck verstärken und die verspätungsanfällige Regionalbahnlinie RB81 (siehe hier) komplett ersetzen. Rund 250.000 Menschen sollen mit der neuen S-Bahnlinie eine umsteigefreie Verbindung aus der Region bis zum Jungfernstieg, den Landungsbrücken, der Reeperbahn und Altona bekommen.

Geplant ist, dass die S4 nördlich des S-Bahnhofs Hasselbrook aus dem bestehenden Netz ausfädelt und dann zweigleisig neben den Fernbahngleisen bis nach Ahrensburg führt. Danach soll ein kurzer eingleisiger Abschnitt folgen. Hinter dem Haltepunkt Ahrensburg-Gartenholz sollen die Züge der S4 dann auf den Fernbahngleisen bis nach Bad Oldesloe weiterfahren.

Dazu sollen spezielle Züge angeschafft werden, die sowohl mit den seitlichen Stromschienen der Hamburger S-Bahn als auch mit den Oberleitungen der Fern- und Regionalbahnen fahren können – ähnlich wie auf der S3 zwischen Neugraben und Stade.

Mit der S4 kommen fünf neue Haltestellen

Für die S4 sollen die fünf zusätzlichen Haltestellen Wandsbek Rathaus, Bovestraße, Holstenhofweg, Am Pulverhof und Ahrensburg West entstehen. Außerdem hält die S4 – wie bisher die Regionalbahn RB81 – in Tonndorf, Rahlstedt, Ahrensburg, Ahrensburg-Gartenholz, Bargteheide, Kupfermühle und Bad Oldesloe. Der heutige Bahnhof Wandsbek soll im Gegenzug geschlossen werden.

Während der Hauptverkehrszeiten soll die neue S4 zunächst im 10-Minuten-Takt von Altona bis Ahrensburg fahren, weiter bis nach Bargteheide ist ein 20-Minuten-Takt vorgesehen, bis Bad Oldesloe ein Stundentakt.

S4 soll 1,85 Milliarden Euro kosten – inklusive Sicherheitspuffer

Der Bau der S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe soll nach derzeitiger Planung und inklusive Sicherheitspuffer 1,847 Milliarden Euro kosten. Der Bund trägt laut Finanzierungszusage mit 1,557 Milliarden Euro rund 84 Prozent der Kosten. Der Anteil der Länder von rund 290 Millionen Euro entfällt zu 70 Prozent auf Hamburg und zu 30 Prozent auf Schleswig–Holstein.

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Christian Hinkelmann, Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG

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