Digital-Partnerschaft zwischen Hamburg und Bahn: Dürftige Bilanz nach drei Jahren

Vor drei Jahren haben Hamburg und die Bahn vereinbart, gemeinsam digitale Zukunftsprojekte voranzutreiben. Vieles wurde damals angekündigt – fertig wurde bis jetzt wenig. Ein Überblick.
Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur Deutsche Bahn, präsentieren den beiderseitig unterschriebenen Vertrag „Memorandum of Understan­ding“, kurz MoU.
Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur Deutsche Bahn, präsentieren den beiderseitig unterschriebenen Vertrag „Memorandum of Understan­ding“, kurz MoU.
Foto: Florian Büh

Die Stadt Hamburg und die Deutsche Bahn wollen auch in Zukunft eng bei Digitalprojekten zusammenarbeiten. Am vergangenen Freitag haben Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei einem Pressetermin am Bahnhof Dammtor mehrere Projekte vorgestellt, die in den kommenden Jahren gemeinsam angegangen werde sollen.

Dabei wurden unter anderem ein paar neue digitale Fahrzielanzeiger für Bahnhöfe und eine LED-Kunstinstallationen in einem Fußgängertunnel präsentiert. Außerdem, so hieß es 2017 bereits, sollen in den nächsten Jahren “Projekte für integrierte Mobilität, attraktive Bahnhöfe, intelligent gesteuerte Citylogistik sowie die digitale Vernetzung” vorangetrieben werden.

Gemeinsam mit Pofalla, Tschentscher und Tjarks präsentierte Künstlerin Nico Joana Weber ihre Installation im Tunnel zwischen CCH und Universität Hamburg.
Florian Büh Gemeinsam mit Pofalla, Tschentscher und Tjarks präsentierte Künstlerin Nico Joana Weber ihre Installation im Tunnel zwischen CCH und Universität Hamburg.

“Hamburg ist die smarteste Stadt Deutschlands”, erklärte Pofalla und bediente sich dabei eines Zitates des Digitalverbandes bitkom. Der “Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien” hatte dies bei seiner Tagung 2019 der Stadt bescheinigt (mehr zur Untersuchung, hier).

Bereits 2017 wurden viele Projekte angekündigt

Die Digital-Partnerschaft zwischen der Stadt Hamburg und der Deutschen Bahn ist nicht neu: Vor drei Jahren hatten beide Seiten ein erstes Abkommen dieser Art unterzeichnet und dabei große gemeinsame Pläne angekündigt: Bereits 2018 sollte ein neuer On-Demand-Shuttleservice “mit 100 Fahrzeugen rollen”, so die damalige gemeinsame Vereinbarung (siehe hier). Außerdem bekomme Hamburg “ein Testfeld mit Bahnhofsanschluss für autonom fahrende Busse.” Für die Hamburger Fernbahnhöfe wurden damals “digitale Wegeleitsysteme, leistungsfähiges WLAN und die Integration von Co-Working-Räumen” angekündigt.

Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn bei seiner Ansprache am 25. September 2020
Florian Büh Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn bei seiner Ansprache am 25. September 2020

Zudem wurde der Aufbau eines “flächendeckenden Netzes mit intelligenten Schließfächern an bis zu 50 HVV-Bahnhöfen” zugesagt, an denen Kunden online bestellte Waren abholen können. Auf bisher ungenutzten Lagerflächen wollte die Deutsche Bahn “kurzfristig City Depots einrichten, von denen aus Pakete per Lastenrad ausgeliefert werden”. Und: Eine “Machbarkeitsstudie zur schrittweisen Automatisierung eines Streckenabschnitts der S-Bahn Hamburg” wurde damals auch versprochen.

Was ist aus den Plänen von 2017 geworden?

Doch was ist eigentlich aus all diesen Versprechen geworden? Was wurde planmäßig fertig? Nicht viel, wie Recherchen von NahverkehrHAMBURG ergaben. Eine Übersicht.

Dr. Michael Barillère-Scholz, Managing Director IOKI GmbH
Florian Büh Dr. Michael Barillère-Scholz, Managing Director IOKI GmbH vor einem Shuttle-Fahrzeugs des Unternehmens i…

Auch interessant

5 Antworten auf „Digital-Partnerschaft zwischen Hamburg und Bahn: Dürftige Bilanz nach drei Jahren“

Der ITS-Weltkongress findet sogar jährlich statt. ? Dieses Jahr fiel er bloß wegen Corona aus und LA verschiebt sich voraussichtlich auf 2022. Bin mal gespannt, ob wir wie geplant nächstes Jahr unsere Projekte vorstellen können oder ob es digital stattfindet. Ist ja eh nur etwas für Fachleute und nicht den normalen Bürger, der von Technik und Verkehr generell wenig Ahnung (aber viel Meinung) hat.

Ioki hat also 200.000 Fahrgäste/pro Jahr bei 17 Wagen. Wenn ich das gestern richtig lese schafft die Linie 388 80.000 pro Jahr – bei einem Wagen. Es zeigt sich also nurt mal wieder wie Ineffizient Shuttle-Dienste in einer Großstadt sind…

Von den 17 Fahrzeugen sind gewiss nicht immer alle im Einsatz, und wenn, dann benötigt 1 kleines Fahrzeug deutlich weniger Energie als 1 großer Bus. Was da am Ende an CO2-Emissionen pro Pkm herauskommt bleibt abzuwarten.

Herr Tschentscher hatte sich vor ein paar Jahren auch medienwirksam mit den Chefs von Car2go und DriveNow ablichten lassen und ihnen das Versprechen abgerungen, dass sie in Zukunft ihre Flotte auf Elektrofahrzeuge umstellen. Allzu viel passiert ist da offenbar auch nicht, das meiste was ShareNow derzeit anbietet scheint mir noch mit Diesel zu laufen. Dabei wäre dieses Geschäftsmodell ideal für Elektrofahrzeuge (ausreichend Ladesäulen vorhanden, grundsätzlich nur Kurstreckenbetrieb).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.