Hauptbahnhof: Letzte Treppe zur Entlastung verzögert sich um ein Jahr

Fünf provisorische Treppenabgänge sollten den Umstieg von Bus auf Bahn am Hauptbahnhof bis Jahresende bequemer und schneller machen – doch daraus wird in Teilen nichts. Das Projekt wird erst ein Jahr später fertig. Das sind die Gründe.
Von Thomas Röbke
Eine der neuen provisorischen Treppen von der Steintorbrücke zu den Bahnsteigen am Hamburger Hauptbahnhof.
Eine der neuen provisorischen Treppen von der Steintorbrücke zu den Bahnsteigen am Hamburger Hauptbahnhof.
Foto: Christian Hinkelmann

Im Herbst 2018 hatte Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla den Hamburgerinnen und Hamburgern zugesagt, dass der mit täglich 500.000 Fahrgästen hoffnungslos überlastete Hauptbahnhof „kurzfristig“ an der Südseite fünf zusätzliche Treppenabgänge erhalten soll – von der Steintorbrücke direkt auf die Bahnsteige. Ende dieses Jahres sollten sie in Betrieb gehen (wir berichteten hier).

Doch nun gibt es Probleme. Die Treppe, die auf einen der beiden S-Bahnsteige führen soll, verspätet sich um rund ein Jahr, wie NAHVERKEHR HAMBURG von der Deutschen Bahn erfuhr.

Eigentlich lief der Bau der fünf provisorischen Bahnsteigtreppen am Hamburger Hauptbahnhof in den vergangenen Monaten recht planmäßig. Die vorbereitenden Arbeiten begannen im vergangenen Februar, im Juli, August und September wurden die Treppen an den Bahnsteigen 5, 6 und 4 eingebaut. Am kommenden Sonntag soll die vierte Treppe, die zu Bahnsteig 3 führen wird, eingehoben werden – bei laufendem Betrieb, wie eine Bahn-Sprecherin auf Nachfrage erklärte.

Noch ist keine der Treppen in Betrieb

In Betrieb ist noch keine einzige der neuen Treppen: „Zuvor erfolgen noch Anschlüsse an die Technik und vorgeschriebene Abnahmeverfahren. Die Nutzung der vier Treppen erfolgt sukzessive ab Dezember 2021 bis zum 1. Quartal 2022.“

Eigentlich sollte in diesen Tagen auch die fünfte und letzte Treppe installiert werden, mit der HVV-Fahrgäste in Zukunft schnell und bequem von der Steintorbrücke direkt auf den S-Bahnsteig kommen können, von dem die Züge Richtung Berliner Tor und Harburg abfahren – ohn…

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16 Antworten auf „Hauptbahnhof: Letzte Treppe zur Entlastung verzögert sich um ein Jahr“

Die Bahn unter den verschiedenen Vorsitzenden war und ist einfach nicht in der Lage termingerecht zu bauen. Wenn es sich noch um besondere , einmalige, bisher nie umgesetzte Technologien handelt, könnte man das noch verstehen. Der Einbau von Fahrstühlen dauert schon mal 2-3 Jahre (Stadthausbrücke), Sanierungen und Reparaturen ziehen sich über Monate und Jahre hin und auch der S-Bahnhof Elbbrücken wurde mit einer Verspätung von einem Jahr eröffnet. Das sind alles keine Wunderwerke der Technik. Das es auch anders geht zeigt die Hochbahn. Die bleiben i.d.R. im Zeit und Kostenrahmen. Es geht also. Vielleicht sollten die Vorstände mal ihre Arbeit machen für die sie ja nicht schlecht bezahlt werden.

Ja, die nahezu immer bei Bahnprojekten auftretenden Verzögerungen lassen auch für die S4 (Ost) schlimmes befürchten.
(Andererseits: Als ich 2011 nach Tonndorf zog, gab es die Aussage, dass die S-Bahn bis 2017 fahren würde — wo wir jetzt sowieso schon bei +10 Jahren sind, kommt’s auf neue Verzögerungen auch nicht mehr drauf an…)

“Das es auch anders geht zeigt die Hochbahn.”

Oh, oh. Als ich sowas mal schrieb, hat dies ein Stuhlgewitter (shit storm) ausgelöst.

Aber ich seh’s mal positiv. Mit Vorlauf und Planung hat es dann ja nur (Stand heute) so zwei, drei Jahre gedauert, um fertig gelieferte Treppen auf einem offenen Bahnsteig einzubauen. Das kann auch schlechter laufen.

Moin. Es ist jetzt nicht klargeworden, ob ALLE Treppen erst nach Einbau der letzten in Betrieb gehen werden oder ob NUR die Treppe zur S-Bahn erst im nächsten Jahr kommt, die anderen aber trotzdem ab diesem Winter genutzt werden können.
Gute Grüße, Rainer

Hallo Rainer, danke für das Feedback. Das hatten wir eigentlich oben in dem Artikel mit diesem Satz hier erklärt: “Die Nutzung der vier Treppen erfolgt sukzessive ab Dezember 2021 bis zum 1. Quartal 2022.“

Viele Grüße, Christian Hinkelmann

Also, wenn mich nicht alles täuscht, dann habe ich neulich eine S3, unterhalb der Treppe ganz links, abfahren sehen. Demzufolge kommt man doch dann auch nach Harburg🤔

Dein Kommentar ist ein Rätsel! Worauf beziehst du dich?
Natürlich fährt alle 5 Minuten eine Bahn nach Harburg. Und bereits jetzt gibt es an Bahnsteig 2 sogar mehrere Treppen!

“Somit führt die Überlastung des Hauptbahnhofes dazu, dass selbst relativ kurzfristige Maßnahmen zu seiner Entlastung erst mit Verspätung umgesetzt werden können.” … Schöner kann man das jahrzehntelange Versagen der Hamburger Verkehrspolitik nicht beschreiben!

Vordergründig wird jetzt bestimmt wieder über die DB, wenn nicht gar über die S-Bahn gemeckert werden. Aber ich freue mich schon auf den erweiterten Jungfernstieg in ca. 10-15 Jahren mit noch mehr verwinkelten Gängen, oder zum gleichen Zeitpunkt Hauptbahnhof Nord mit den weiterhin engen Röhrenbahnsteigen und engen Durchlässen.
Man hätte so schöne große Würfe machen können: Eine neue großräumige, bequeme Halle am Hauptbahnhof Nord für U2, U4 und U5 bauen, den Jungfernstieg mal links liegen lassen, und dann ebenfalls eine neue großräumige, bequeme Halle am Stephansplatz für U1 und U5 bauen. Da hätte Hamburg mal so richtig Nägel mit Köpfen machen können. Aber so bleibt es wieder bei verzagten, kleinen, halben Lösungen. Wie meinstens.

Terminankündigungen der Deutschen Bahn darf man einfach nicht mehr ernst nehmen. Wenn schon der Einbau einer einfachen Rolltreppe zu Verzögerungen von einem Jahr und mehr führt, worauf muss man sich dann bei Großbauprojekten wie der S4 Ost (von West ganz zu schweigen) den Bahnhof Diebsteich, den Ferlemanntunnel oder die Erneuerung der Sternbücke einstellen? Daher sollten auch unter Klimaaspekten die ambitionierten Bauprojekte abgesagt werden und stattdessen der Sanierung/Modernisierung der Bestandsanlagen den Vorzug gegeben werden. Nach den baustellenflops der dB AG der letzten Jahrzehnte wird es höchste zeti die Infrastruktur aus dem DB-Konzern auszugliedern und in einer Anstalt öffentlichen Rechts neu zu organisieren.

Mal wieder plattes und uninformiertes Bahnbashing von Prellbock. Merkt man schon am zweiten Satz: Wenn Sie auch nur ansatzweise den Artikel gelesen hätten bzw. sich mit der Materie auch einmal wirklich auseinandergesetzt hätten, wäre es Ihnen aufgefallen, dass es nicht um Rolltreppen geht. Aber was soll man von jemanden erwarten, der in seiner aktuellen Presseerklärung zur “Quietschi-Kurve” auch eher durch Rechtschreibfehler auffällt.

Jo, die Überführung der Aufgaben in eine Anstalt öffentlichen Rechts ist das Allheilmittel. Der Staat bekommt es ja in den Bereichen, die er “in Eigenregie” hat, mit der Infrastruktur super hin. Bspw. ein Schulgebäude haben Sie auch schon länger nicht mehr von innen gesehen, oder? Und auch über die Salzbachtalbrücke sind Sie schon länger nicht mehr gefahren?

ich sage es ungern, aber ganz Unrecht hat Herr Jung hier ja nicht. Die Bahn schafft es in Hamburg einfach nicht, selbst einfache Projekte wie ein paar Treppen am Hbf in kurzer Zeit zu planen und zu bauen
Selbst die großzügigen Planungszeiträume werden in der Regel nicht eingehalten und die Kosten explodieren eigentlichauch immer. Die skandalösen Zustände die Haltestelle Ottensen betreffend sprechen da eine deutliche Sprache. Ob eine Ausgliederung der Infrastruktur wirklich eine Verbesserung bewirkt, sei einmal dahingestellt.
Die BAHN hat halt andere Prioritäten (es ist eben kein Umweltschutzunternehmen) als was wir hier alle gern hätten. Herrn Jungs Hinweis auf Diebsteich und die S4 seien ihm vergeben. (er hat übrigens die U5 vergessen und auch die U4 in Horn (die übrigens planmäßig umgesetzt werden.)

Lustig, Prellbock – in persona seines Sprechers – ist für die Zerschlagung der Bahn, also für genau das, was die FDPen mit Fahrrad und Dreitagebart gerne hätten möchten. 😄 Na, dann sollte sich mal eine andere Partei, die sich aus unerklärlichen Gründen dem Prellbock verschrieben hat, ernsthaft Gedanken machen. 🤔

“Thomas sagt: 11. November 2021 um 11:07
Bahnsteig 1 mit den Gleisen 1 und 2 liegt im Tunnel, daher keine Treppen zur Brücke möglich.”
Trotzdem war mal angedacht, später mal, den Tunnel nach oben zu öffnen und auch dort eine Treppe zu bauen. Diese würde wahrscheinlich noch stärker frequentiert werden, als die Treppe auf Bahnsteig 2, wäre allerdings erheblich aufwendiger zu planen und zu bauen gewesen.
Diese Option hat die DB aber wohl zerstört, indem dort, wo die Decke für eine Treppe hätte geöffnet werden müssen, der Abzug für die neue Entrauchungsanlage hingebaut wurde.
Absicht? Ignoranz? Dummheit?

Jutta sagt: 10. November 2021 um 6:51
“Vielleicht sollten die Vorstände mal ihre Arbeit machen ……”
Das heißt aber NICHT, dass Vorstände jede Kleinigkeit selbst “machen” bzw. entscheiden müssen. Vorstände sind eher dazu berufen (Konzern-) Strukturen zu schaffen, in denen auch Unteres- und Mittleres-Managment Entscheidungen treffen und verantworten dürfen und müssen!
Dafür, das genau dies NICHT funktioniert, ist diese Baumaßnahme ein exemplarisches Beispiel.
Dass diese Treppen sinnvoll und notwendig sind, konnte jeder sehen, der in den vergangenen 10 Jahren mal in der Rushhour am Hauptbahnhof war.
Pro Bahn forderte diese Treppen seit Jahren!
Warum brauchte es dann erst (ein medial inszeniertes) Treffen vom Hamburger Oberbürgermeister mit einem (eigentlich für Infrastruktur! zuständigen) DB-Vorstandsmitglied? Solche Maßnahmen müssen zwingend 2 oder 3 Hierarchieebenen weiter unten getroffen werden können!
Der ÖPV braucht sinnvolle (Unternehmens-) Strukturen!
Übernahme der Hamburger S-Bahn durch die Stadt!

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