HVV-Kontrolleure entdecken an einem Tag 607 Schwarzfahrer

Obwohl die Großkontrollen tagelang vorab in den Medien angekündigt waren, sind gestern beim so genannten HVV-Prüfmarathon mehr als 600 Schwarzfahrer erwischt worden.
Menschen warten auf U-Bahn am Rödingsmarkt in Hamburg
Menschen warten auf U-Bahn am Rödingsmarkt in Hamburg

Rund 300 Fahrkartenkontrolleure haben gestern beim so genannten HVV-Prüfmarathon in Bahnen, Bussen, Fähren und Haltestellen rund 15.500 Fahrgäste kontrolliert. Obwohl die Großkontrollen mit vorheriger Ankündigung kamen, gingen den Prüfern dabei 607 Schwarzfahrer ins Netz.

Das entspricht einer Quote von 3,9 Prozent und ist mehr als noch im vergangenen Jahr. Beim HVV-Prüfmarathon 2016 lag die Schwarzfahrer-Quote bei 2,7 Prozent (siehe hier).

Die meisten Schwarzfahrer am Bahnhof Harburg

Die meisten Fahrgäste ohne gültiges Ticket wurden laut HVV am S-Bahnhof und ZOB Harburg erwischt. Hier lag die Quote bei 5,4 Prozent. Danach folgten der ZOB in Klein Flottbek (4,6 Prozent), der S-Bahnhof und ZOB Altona (4,5 Prozent) sowie der AKN-Bahnhof und ZOB Kaltenkirchen (4,2 Prozent).

Wenig Schwarzfahrer am U-Bahnhof Mundsburg

Die wenigsten Schwarzfahrer wurden dagegen am U-Bahnhof Mundsburg und am ZOB Blankenese (jeweils1,8 Prozent) erwischt.

Im vergangenen Jahr war die Schwarzfahrer-Hochburg der ZOB in Pinneberg (5,8 Prozent), während am AKN-Bahnhof Eidelstedt nicht ein einziger Fahrgast ohne gültiges Ticket erwischt wurde.

Inzwischen ist der diesjährige HVV-Prüfmarathon beendet. Ab sofort wird laut Verbund wieder unangekündigt kontrolliert.

 

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14 Antworten auf „HVV-Kontrolleure entdecken an einem Tag 607 Schwarzfahrer“

Als Erklärungsversuch: Nur wenn man die lokalen bzw. regionale Medien nutzt, dann bekommt man davon etwas mit. Wer Spotify hört, VICE & TheGuardian liest bzw. Jung&Naiv anguckt, an dem geht das natürlich vorbei.

Naja, kürzlich hat auch Statistik Nord veröffentlich, dass rund 1/3 der Bevölkerung Ausländer sind bzw. einen entsprechenden Migrationshintergrund haben. Die Info ist bestimmt auch nicht auf Canal+, BBC, Ankara2, MoskauNews o.Ä. gelaufen… Die Frage ist daher, wer ließt und hört in HH noch Abendblatt, NDR usw.?

Aha. Wer als in Deutschland Geborener aus dem Ausland zugewanderte Eltern(teile) hat und in Hamburg lebt, konsumiert also automatisch kein deutsches TV, keine deutschen Radiosender, keine deutschen Zeitungen sowie deutschsprachige Internetangebote, sondern informiert sich ausschließlich über Ankara2 und MoskauNews Merkwürdige Ansicht. Bitte keine Polemik auf dieser Seite! Danke!

Das ganze ist sicher nicht despektierlich gemeint, sondern stellt nur fest, dass sich die Konsumgewohnheiten ändern und das eben nicht nur am Alter liegt. Es gibt u.a. nicht umsonst Promoaktionen vom HVV in russisch, Flyer in Farsi, Arabisch usw. Es wird eben geschaut wie man potenzielle Kunden erreichen kann und was deren Lebenswirklichkeit ist. Allein dass das gleich so eine Reaktion hervorruft und die Aussage genauso verkürzt wiedergegeben wird, spricht eigentlich für sich selbst.

Naja, Sie haben in Ihrem Kommentar die gewagte These aufgestellt, dass Menschen mit Migrationshintergrund keine deutschsprachigen Medien konsumieren würden. Das halte ich für undifferenziert und wenig zielführend – zumal gerade (meist noch nicht deutsch sprechende) Asylsuchende in Hamburg seit Anfang 2016 eh automatisch mit HVV-Monatskarten ausgestattet werden (Preis wird ihnen vom “Taschengeld abgezogen”). Insofern dürfte der Prüfmarathon gerade bei dieser Personengruppe eh irrelevant sein.

Das zeigt mal wieder, dass im Grund mehr kontrolliert werden müsste. Die bisherigen Kontrollen sind eigentlich ein Witz, viel zu selten, sichtbar in Uniform, eigentlich nie an den Schwellen zu den Sperrzeiten (CC-Karte, Fahrrad) und meist auch nur sehr oberflächlich. Die Prüfer bzw. die Busfahrer kann man z.T. auch verstehen. So schlagen sich die Verkehrsunternehmen bei Kontroversen lieber medial auf die Seite von Kunden, die ein rotzfreches Verhalten bei eigenen Fehlern an den Tag legen (Strafe schütz vor Unwissenheit nicht) und schwingen dabei die große Toleranzkeule. Die Milde und Kulanz, die walten gelassen wird, wird das bisherige asoziale Verhalten vieler Fahrgäste nicht ändern. Die Verkehrsunternehmen werden damit auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht, indem Millionen liegen gelassen werden, wodurch die vom Steuerzahler finanzierten Ausgleichzahlungen nicht reduziert werden. Immer wieder die Basics: Sicherheit, Sauberkeit, Takt, Anschlusssicherheit, Preis usw. Wenn das alles rund läuft, kann ggf. auch mal das ein oder andere digitale Abendteuer gestartet werden.

Es sollten täglich solche Prüfmarathons gemacht werden. Mich wundert es nicht das es mehr Schwarzfahrer gibt. So hat es sich doch schon längst rumgesprochen dass das vorne einsteigen nur Augenwischerei ist.

Leider unterscheidet der HVV bei der Aktion nicht, ob die Erwischten wirklich kein Ticket hatten oder ob es Monatskarteninhaber waren, die nur ihr Ticket vergessen hatten. Denn letztere können ja ihr Ticket später an den Servicestellen nachweisen und reduzieren somit das Entgelt von 60€ auf nur noch 2-3€. Und wären somit auch keine Schwarzfahrer mehr.
Und eine Quote von 4% (oder 3% wie im letzten Jahr) ist eigentlich der Normalfall.

Mich würde lieber mal interessieren wieviele davon ihr Ticket wirklich nur vergessen haben. Dann sind es nochmal weniger und es zeigt sich, das das Geld in Maßnahmen für besseren Verkehr/gegen Falschparker (siehe die Artikel dazu) und bessere Fahrradwege 10x besser angelegt wäre. 607 Schwarzfahrer…. das ist ja nichts bei den Hunderttausend pro Tag…. für mich ist es ein völliger Fail gewesen. Die allermeisten haben halt ein (teures) Ticket. Läuft.
Vielleicht mal zur Dankbarkeit der Leute die Preise reduzieren!

Die Steigerung der Zahl der erwischten Schwarzfahrer wundert mich – angesichts der generellen Entwicklung innerhalb der Gesellschaft – überhaupt nicht.

Viel interessanter aber wäre das Ergebnis solchen Prüfaktion, wenn sie überhaupt nicht vorher angekündigt worden wäre. Ich denke, die Quote wäre dann deutlich höher gewesen.

Hallo Herr Hinkelmann,
da liegen sie leider falsch. Die Mehrheit der Ausländer konsumiert ausländische Medien oder Sender wie RTL 2. Letzter arbeitet bevorzugt mit leichtem Deutsch. Unsere deutschen staatlichen Sender erfordern schon recht gute Grundkenntnisse der deutschen Sprache.
Der Sat Empfang wie das Kabel Netz bieten dazu alle ausländischen Sender, wenn man bereit ist dafür zu bezahlen.
Selbst schließe ich mich als Deutscher nicht davon aus. Bin momentan auch für einige Wochen verreist und konsumiere per Sat so mein tägliches arte und 3Sat.

Gruß in die Heimat,
Markus

Lieber Markus, das stimmt so nicht. Erst einmal sind die Öffentlich-Rechtlichen Sender, wie ARD, ZDF, Arte, etc. keine “staatlichen Sender” – im Gegenteil: Es sind Anstalten des öffentlichen Rechts und haben per gesetzlich definierten Programmauftrag die Aufgabe, politisch und wirtschaftlich unabhängig zu sein. Deswegen werden die Sender z.B. nicht über eine staatliche Steuer finanziert (bei der immer die theoretische Gefahr bestünde, dass der Staat den Sendern bei unbequemer Berichterstattung den Geldhahn zudrehen könnte), sondern über einen Rundfunkbeitrag, den die ÖR-Sender direkt einziehen. Aufgrund der deutschen Geschichte ist das deutsche ÖR-System nach dem Zweiten Weltkrieg von den Aliierten ganz bewusst so staatsfern installiert worden.
Nun aber zur Sache: Die Mediennutzung von Migranten in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach untersucht worden. Die jüngste große Studie von ARD und ZDF stammt aus dem Jahr 2011. Demnach sehen Dreiviertel alle Migranten deutschsprachiges Fernsehen, nur eine Minderheit (13 Prozent) nutzt ausschließlich heimatsprachige Fernsehprogramme. Je besser die Deutschkenntnisse sind, desto intensiver ist laut Studie die Nutzung der deutschsprachigen Fernsehprogramme.
Beim Radio hören 55 Prozent der Migranten ausschließlich deutschsprachige Sender, weitere 5 Prozent hören deutschsprachiges und heimatsprachiges Radio im Mix. Nur 2 Prozent hören ausschließlich ausländisches Radio.
Quelle: http://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/migranten-und-medien100.pdf

Und bevor wir nun zu medienpolitisch werden, würde ich die Diskussion gern wieder auf den Nahverkehr in Hamburg zurücklenken 🙂 Wir können uns dazu aber gern weiter per E-Mail austauschen.

toller Erfolg…697 x 60 = 37.000 EURO Einnahmen, wobei in den vielen Fällen nichts zu holen sein wird. Und der Aufwand dafür ging sicherlich in die Hunderttausende. Hat der Kontroll Marathon eine abschreckende Wirkung? sicherlich nicht. Schwarzfahren wird es wie Geschwindigkeitsüberschreitungen immer geben, da helfen alle Kontrollen nichts.

Wo ich zur Arbeit gefahren bin (6:49 Uhr) und von der Arbeit kam (18:01 Uhr) war kein Kontrolleur beim Ausgang zum Bahnhofvorplatz (Holstenplatz) zu sehen. Zu welcher Zeit haben die Kontrolleure kontrolliert, wenn es hieß, sie wollten den ganzen Tag kontrollieren?

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