Schon wieder: HVV fährt neuen Fahrgastrekord ein

Trotz niedriger Spritpreise und zunehmendem Radverkehr hat der HVV einen neuen Fahrgastrekord aufgestellt. Im vergangenen Jahr waren 748,6 Millionen Menschen mit Bahnen, Bussen und Fähren unterwegs – so viel, wie noch nie. Die Gründe dafür sind allerdings nicht nur umsteigende Autofahrer. Zusätzlich hat der HVV auch von einem Sondereffekt profitiert.
Christian Hinkelmann
Menschenmassen warten im Sommer auf S-Bahn im Hamburger Hauptbahnhof
Menschenmassen warten im Sommer auf S-Bahn im Hamburger Hauptbahnhof

Der Öffentliche Nahverkehr im Großraum Hamburg gewinnt immer mehr an Bedeutung. Im vergangenen Jahr sind die Fahrgastzahlen ein weiteres Mal auf einen neuen Rekordwert angestiegen. Das teilte der HVV gestern auf einer Bilanzpressekonferenz mit.

748,6 Millionen Menschen waren demnach im vergangenen Jahr mit Bahnen, Bussen und Fähren unterwegs. Das sind 10,3 Millionen Menschen, bzw. 1,4 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Das ist ungefähr so viel wie der Zuwachs im Jahr 2014 (Plus 1,3 Prozent) aber immer noch deutlich weniger als in den Boom-Jahren 2007 – 2012, in denen die Fahrgastzahlzuwächse regelmäßig bei 3 Prozent lagen.

Die Gründe für die aktuell gestiegenen Zahlen liegen allerdings nicht nur bei umdenkenden und umsteigenden Autofahrern sowie dem Zuwachs an Beschäftigung. Es gibt auch noch einen Sondereffekt, der nichts mit dem Mobilitätsverhalten der Hamburger zu tun hat: So hat der HVV laut Medienberichten auch deutlich von den sprunghaft gestiegenen Flüchtlingszahlen profitiert.

Auch die Einnahmen im HVV sind im vergangenen Jahr gestiegen – und zwar deutlicher als die Fahrgastzahlen: Plus 3,9 Prozent auf 785,2 Millionen Euro. Das sind knapp 30 Millionen Euro mehr als noch im Jahr zuvor.

Für das aktuelle Jahr rechnet der HVV mit einem deutlich größeren Fahrgastzahlanstieg um 2,2 Prozent. Ein Grund dafür ist das diesjährige Schaltjahr, das dem HVV einen zusätzlichen Arbeitstag beschert. Laut WELT bedeutet allein dieser tag einen Fahrgastzahlzuwachs von 0,3 Prozent.

Ein weiterer Grund für die positive Zukunftsprognose dürfte auch hier der Zuzug von Neuankömmlingen sowie der im Februar gestartete flächendecken…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke.

Auf diesen Hamburger S-Bahnlinien könnten in Zukunft XXL-Züge fahren

Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke im Interview darüber, auf welchen zusätzlichen S-Bahn-Strecken in Zukunft längere Züge möglich wären, was deren Einsatz einschränkt und warum die künftige neue S-Bahn-Strecke nach Kaltenkirchen von der Linie S21 und nicht mit der Linie S3 befahren werden soll.

6 Antworten auf „Schon wieder: HVV fährt neuen Fahrgastrekord ein“

@Fahrgast
Selbstverständlich werden sog. “Flüchtlinge” bessergestellt als einheimische Rentner, wenn sie Schnellbusse benutzen dürfen, und Sperrzeiten für sie nicht gelten. Wo sehen Sie denn Polemik? Das ist Tatsachenbeschreibung.

@Gonger: Die Mobilitätskarte für registrierte Flüchtlinge kostet 29 € im Monat – der Preis ist laut Stadt Hamburg von der allg. Abokarte Großbereich (49,40 €) Minus Sozialkartenrabatt (20,40 €) abgeleitet.
Ein – wie von Ihnen zitierter – “deutscher Rentner” bekommt – sofern er Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld bezieht – dieselbe Karte zum selben Preis. Einzige Unterschiede: Die Schnellbusbenutzung und die fehlende Sperrzeit morgens zwischen 6 und 9 Uhr. Beides macht Sinn:
Erstmal ist es einem Zugereisten, der keinerlei Vorerfahrungen mit unserem öffentlichen Transportsystem hat, schwer vermittelbar, welcher Bus jetzt ein Stadtbus, Metrobus, Schnellbus, etc. ist und Zweitens müssen einige Ziele, die Flüchtlinge ansteuern müsssen (Ärzte, Behörden) teilweise auch frühmorgens aufgesucht werden und sind teilweise auch nur per Schnellbus erreichbar. Würde man also Sperrzeiten gelten lassen und Schnellbusse ausklammern, würde die Zahl der Schwarzfahrer ansteigen.
Insofern hören Sie bitte auf, hier den Anschein zu erwecken, dass Flüchtlinge hier systematisch bessergestellt werden als “deutsche Rentner”. Das ist polemisch und hat meiner Meinung hier auf diesem Portal nichts zu suchen.

Interessanter und informativer wäre jedoch eine Aufschlüsselung der Fahrgastentwicklung nach Einzugsgebieten der HVV-Kunden bzw. nach Verkehrsachsen und ein Vergleich mit der der Entwicklung des MIV in den entsprechenden Relationen. Ansonsten wirkt diese Präsentation dann doch eher wie eine PR-Aktion.

Zum Beispiel kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es an der Verkehrsachse “Lübecker Bahnstrecke + B75” östlich des Wandsbeker Marktes aufgrund des von Jahr zu Jahr immer mehr verschlechterten ÖPNV-Angebots (schlechter Takt und Ausdünnung der RB81, Fahrzeitverlängerungen bei den Bussen, insbesondere der Linie 9, unattraktive Haltestellenlagen usw.) zu einem Rückgang der HVV-Nutzung durch die dort lebenden Einwohner gekommen ist. Und zwar nicht nur relativ, sondern auch absolut, und gleichzeitig zu einer Zunahme des Individualverkehrs.

Sicherlich wird es in den “HVV-bevorzugten” Gebieten Hamburgs zu einer erheblichen Zunahme der ÖPNV-Nutzung gekommen sein, die im Endeffekt die Entwicklung in den vernachlässigten Regionen überlagert. Also wäre eine Gegenüberstellung der ÖPNV- und MIV-Nutzung im Bereich des Wandsbeker Ostens und, sagen wir mal, St. Pauli schon sehr interessant.

Wie hoch sind denn die entgangenden Fahrgäste durch die massive Bewerbung von car2go mittels der Marke switchh?
In München geht man aktuell von einem Einnahmenverlust von 5 Mio EUR / Jahr aus … ohne switchh-Unterstützung!
Und in Amsterdam nutzen 62% der car2go-Nutzer den ÖPNV jetzt seltener als vorher.
(beides siehe https://www.nachhaltigkeitsrat.de/aktuelles/interviews/detailansicht/artikel/nutzt-oder-schadet-stationsunabhaengiges-carsharing-dem-nahverkehr/)

Heute ist der 1.April.
Es wäre auch toll wenn sich diese Erfolgsmeldungen auch in den Fahrgeldeinnahmen niederschlagen würde.
Oder eben nicht…was jeder weiß, der sich mit der Steinzeit-IT des HVV’s auskennt:
http://www.abendblatt.de/hamburg/article207345505/Der-grosse-Betrug-mit-den-HVV-Jahrestickets.html
Scannen, Oysterkarten, dänische Fahrkartensysteme sind für den HVV eben “Neuland”.
Plakate sind immer gut! Liest jeder, der ein Smartphone hat und wo die gefälschten Fahrkarten im HVV-Shop vertickt werden weiß ich auch. Nicht mal in einer typischen Migranten-Gegend…
Der HVV-profitiert von den “Flüchtlingszahlen”? Mit der Billigkarte 1.Klasse Schnellbus wovon deutsche Rentner nur träumen können? Oder darf ich das nicht erwähnen weil es nicht p.c. ist?
Frei nach dem frz. Premier Hollande : “Das kostet nichts, das zahlt der Staat”.
Ich freue mich auf den Kleinbus der PVG, der Kontrollen auf der Osdorfer Landstrasse vorankündigt.
Ab 16:00 “wenn Schule aus ist” laufen da die schönsten Frauen Hamburgs rum und es ist nicht so ein Stress wie in der City. Die Bus-Armada, wo einer nach dem anderen ohne Stress und Hektik nachrückt, kann man ganz gemütlich kontrollieren. Der Eidelstedter Platz ist auch gut, da könnte es jedoch manchmal Ärger geben 😉
*Wer Ironie und Realität nicht auseinanderhalten kann sollte meinen Beitrag ignorieren*

“Es gibt auch noch einen Sondereffekt, der nichts mit dem Mobilitätsverhalten der Hamburger zu tun hat: So hat der HVV laut Medienberichten auch deutlich von den sprunghaft gestiegenen Flüchtlingszahlen profitiert. ”

Sondereffekt? 🙂 70.000 neue Flüchtlinge im Jahresschnitt, 2,5 Wege am Tag (die sind ja oft weit draußen untergebracht), 30 % HVV-Anteil = 19,2 Mio. zusätzliche Fahrgäste. Plus der 29. Februar als zusätzlicher Tag (2 Mio. zusätzliche Fahrgäste, das ist der Schnitt aus 2015 pro Tag). Plus vielleicht 10.000 “normale” Neubürger in Hamburg, 3,5 Wege, 20 % HVV-Anteil = 3,2 Mio. Wege.

Macht jedenfalls über 20 Mio. “Fahrgäste” mehr, ohne dass der HVV einen Autofahrer von seinem Angebot überzeugt hätte. Bei lediglich 2,2 % Zuwachs würde es, je nach Flüchtlingslage, sogar einen Rückgang des HVV-Anteils bei den anderen Hamburgern geben. Angesichts der niedrigen Spritpreise und der nicht immer konkurrenzfähigen HVV-Preisgestaltung wäre das keine Überraschung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.