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„So kann es nicht weitergehen!“ – VCD droht im Streit um Bahnhof Altona

Seit drei Jahren suchen der Hamburger Senat, die Deutsche Bahn und der Verkehrsclub Deutschland nach Möglichkeiten, den umstrittenen künftigen Fernbahnhof Altona attraktiver zu machen. Doch bis heute können sie kaum Ergebnisse vorweisen. Der VCD fühlt sich ausgebremst und übergangen. Ein Thema ärgert ihn besonders. Jetzt kündigt er Konsequenzen an.
Christian Hinkelmann
Alexander Montana, Vorstandsmitglied des VCD Nord.
Alexander Montana, Vorstandsmitglied des VCD Nord.
Foto: Privat

Der Streit um den Umzug des Fernbahnhofs Altona zum S-Bahnhof Diebsteich sollte längst beigelegt sein. Die turbulenten Tage, als der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zusammen mit der Bürgerinitiative Prellbock Altona das milliardenschwere Bahnprojekt juristisch ausbremste, schienen vorbei. Der Bau ist im Gange und der VCD hat mit dem Zurückziehen seiner Klage dem Hamburger Senat und der Deutschen Bahn einige Zugeständnisse abgetrotzt. Dazu gehörten unter anderem ernsthafte Prüfungen zu möglichen neuen Verkehrsanbindungen, die zuvor nicht im Fokus standen.

Unter den Errungenschaften des VCD: Die Überprüfung, ob die geplante S-Bahnlinie nach Osdorf über den neuen Fernbahnhof Altona geführt werden kann, sowie die Prüfung einer Regionalbahn-Verbindung von Blankenese und einer S-Bahnlinie von Ottensen zum neuen Fernbahnhof. Zudem setzte der VCD durch, dass die Machbarkeit einer S-Bahn-Haltestelle im Neubauviertel „Neue Mitte Altona“ und zusätzliche Ausgänge an den neuen Fernbahnsteigen näher am Altonaer Zentrum untersucht werden. Ferner sagten die Deutsche Bahn und der Hamburger Senat verbindlich zu, die Planungen für eine neue S-Bahnlinie nach Elmshorn „mit Hochdruck voranzutreiben“ (alle Punkte lesen Sie hier im Original).

Um diese umfangreichen Maßnahmen und Prüfaufträge zu koordinieren, Meinungsverschiedenheiten zu klären und verschiedene Interessen zu bündeln, wurde im Frühjahr 2020 das „Dialogforum Schiene Altona“ ins Leben gerufen. Ein Gremium, in dem Vertreter des Hamburger Senats, der Deutschen Bahn und des VCD sitzen.

Doch nach dem Start dieses Dialogforums hat die breite Öffentlichkeit kaum mehr etwas davon gehört. Von der ersten Sitzung bis heute listet die Website lediglich vier kurze Aktuell-Meldungen auf, die nur wenig Informationswert haben. Die letzte Meldung aus dem vergangenen Juli fasst beispielsweise nur zusammen, dass die Deutsche Bahn auf einer Infoveranstaltung Fotos vom Bahnhofsbau in Altona gezeigt hat und ihre damals schon seit Monaten bekannten Pläne zum geplanten Verbindungsbahnentlastungstunnel zwischen dem Hauptbahnhof und Altona präsentierte.

Drei Jahre Arbeit – kaum greifbare Ergebnisse

Greifbare Ergebnisse kann das Dialogforum nach drei Jahren Arbeit kaum vorweisen. Der Verkehrsclub Deutschland zeigt sich zunehmend enttäuscht und droht nun mit Konsequenzen.

Im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview erklärt VCD Nord-Vorstandsmitglied Alexander Montana, was aus seiner Sicht im Dialogforum schiefläuft, worüber seine Enttäuschung am größten ist, was sich aus seiner Sicht dringend ändern muss und wie weit die einzelnen Projekte sind.

NAHVERKEHR HAMBURG: Herr Montana, was haben Sie in den vergangenen drei Jahren im „Dialogforum Schiene Altona“ konkret gemacht?

Alexander Montana: Ein zentrales Anliegen im Dialogforum war die Möglichkeit, in Zukunft S-Bahnen und Regionalzüge auf der Güterumgehungsbahn zwischen Eidelstedt, City Nord und Horn fahren zu lassen. Dieses Projekt ist uns beim VCD besonders wichtig. Es gibt ein weit fortgeschrittenes Gutachten dazu, das aber noch nicht ganz fertig ist. Das zweite große Thema, das uns beschäftigt, ist, den künftigen Fernbahnhof Altona am Diebsteich nachträglich zu einem S-Bahn-Knoten auszubauen. Dazu gibt es Ideen, aber die sind noch nicht spruchreif. Und es ist dem VCD zu verdanken, dass der neue Fernbahnhof rund 20 zusätzliche Weichen erhält. Dadurch wird er wesentlich leistungsfähiger, weil beispielsweise mehr Züge gleichzeitig ein- und ausfahren können.

NAHVERKEHR HAMBURG: Zwei angefangene Aufgaben – beide nicht erledigt. Ist das nach drei Jahren nicht etwas wenig?

Montana: Ja, ich gebe zu, wir hätten uns eine schnellere Umsetzung gewünscht. Es gilt immer, Kompromisse zu finden, besonders…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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6 Antworten auf „„So kann es nicht weitergehen!“ – VCD droht im Streit um Bahnhof Altona“

Tatsächlich ist es sehr bedauerlich, dass der Fernbahnhof Diebsteich so stiefmütterlich behandelt wird. Statt die Chance zu nutzen und einen zweiten wichtigen Bahnhof für den Fern- und Regionalverkehr zu schaffen, versäumt man die Anbindung an die innerstädtischen Verkehre. Dass man nicht versucht, Fahrgäste zum Umstieg am Diebsteich statt am Hauptbahnhof zu bewegen, ist, wie der VCD völlig richtig sagt, ein großer Fehler.

Die Forderung des VCD, Diebsteich deutlich besser ins S-Bahn-Netz einzubinden oder diese Möglichkeiten zumindest zu prüfen, sind daher völlig richtig. Auch die Anbindung des Bahnhofs an den Busverkehr ist im Prinzip kaum vorhanden. Die Kapazität am Hauptbahnhof ist endlich, und damit meine ich nicht die Züge, sondern die Fahrgastmassen. 750.000 Menschen sollen dort 2040 ein-, aus- und umsteigen. Auf im Wesentlichen gleichem Raum wie heute, was jetzt schon nicht mehr vernünftig funktioniert. Ziel einer zukunftsorientierten Planung kann nur sein, die Verkehrsströme weg vom Hauptbahnhof zu lenken, statt nur immer noch mehr dort hinzuführen.

Auf meinem Blog argumentiere ich ausführlich, warum der VET dringend überdacht werden sollte und ernsthafte Alternativen geprüft werden müssen (das 14-seitige Kurzgutachten zum Fernbahntunnel kann man wirklich nicht ernsthafte Alternativenprüfung nennen). Er ist kein großer Wurf für den Bahnknoten Hamburg, sondern löst für viel Geld nur einen kleinen Teil der Probleme. Das größte, den überlasteten Hauptbahnhof, verstärkt er regelrecht.
https://www.arnewitte.de/verbindungsbahnentlastungstunnel-vertane-chancen-zementierte-probleme/

Ich werde dort in den kommenden Tagen auch eine Skizze für eine Alternative veröffentlichen.

Leider scheint der Verkehrssenator ja Feuer und Flamme für den VET zu sein, ohne Alternativen ernsthaft in Betracht zu ziehen, wenn man den heutigen Abendblatt-Artikel richtig interpretiert, und sämtliche Deiner Bedenken spielen scheinbar bei der Entscheidung keine große Rolle – leider.

Die sowieso schon massiven jahrelangen Einschränkungen, die laut Planungen des VET erforderlich sind, werden – mit Blick auf nahezu alle größeren und kleineren Bauprojekte der Bahn und der S-Bahn Hamburg – niemals eingehalten, sondern es sind massive Bauzeitverlängerungen zu befürchten.

So etwas „an den Start“ zu bringen, ohne alternative Lösungen ernsthaft zu diskutieren (oder zumindest dies nicht transparent zu tun) ist schon fast fahrlässig durch unseren Verkehrssenator.

Insofern ist es gut und wichtig, dass seitens VCD, Dir, NVHH und anderen Stellen hier laufend auf die Problempunkte hingewiesen wird.

Laut Wikipedia wurde die Umgehungsbahn auch zwischen Veddel und Horn, über Rothenburgsort schon größtenteils saniert und ausgebaut. Eine Lärmsanierung entlang der Strecke sei ohnehin schon geplant.
Gibt es eine Studie für eine S-Bahn, von Harburg kommend, über Rothenburgsort, U2 rauhes Haus, Wandsbeker Chaussee, ….Barmbek,… Eidelstedt…bis Altona? Oder bis Osdorf? Evtl könnte das, bei Kreuzung von Diebsteich eine sinnvolle S32 sein? Und scheinbar leicht umzusetzen?
Beste Grüße
Andre

Das ist tatsächlich eine Variante, über die ich auch schon sehr lange nachdenke und die mir sehr sympathisch ist. Sie würden auf jeden Fall sehr viel Verkehr vom Hbf. nehmen. Das der Bedarf Süd nach Ost da ist, sieht man ja alleine schon am sehr gut ausgelasteten X30er. Nordwest nach Nordost wird ähnlich sein. Ein zweigleisiger Ausbau der gesamten Strecke, der dann ja auch trotzdem noch den jetzigen Güterverkehr schultern müsste, wäre aber sicherlich ein enormes Mammut-Projekt, welches wahrscheinlich die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht überstehen würde :(. Ganz abgesehen von den einschneidenden Maßnahmen im Bereich Niendorfer Gehege zwischen Eidelstedt und Lokstedt. Es wäre zu Ende gedacht jedenfalls ein sehr mutiges Vorhaben.

Vor langer Zeit hatte ich hier einmal die Nutzung der GUB für den dritten Harburger S-Bahn-Zug vorgeschlagen, auch damit die zweite Fahrplanlage für einen 5-Minuten-Takt auf der S4 frei wird. Aber wie alles, was mit Wandsbek zu tun hat, interessiert es ja nicht die „Fans“, und vermutlich auch nur tangential die Verkehrspolitik, einschließlich des dazugehörigen Senators. Zumindest wird es dort nicht öffentlich kommuniziert oder gar diskutiert. Und soetwas fördert nur die Politikverdrossenheit, auch bei mir.
Mein Vorschlag sah damals eine Ausfädelung aus der Gleichstrom-S-Bahn zwischen Norderelbe und Billhafen mit neuer Brücke über letzterem und Systemwechselstelle ab Höhe Billhorner Brückenstraße, zusätzlichem „Wechselstrom-Bahnsteig Rothenburgsort“ und Einfädelung in die Bestands-GUB vor. Mit der neuen Station Elbbrücken geht das natürlich nicht mehr so.
Aber jetzt hat man wieder mal „hanseatisch unperspektiv“ gehandelt und eine Chance verstreichen lassen: Die alte, kurze Brücke der Lübecker Strecke über die GUB wurde während der temporären Verlegung auf die Behelfsbrücke nicht mit größerer Stützweite neu gebaut, sondern nur saniert. Somit wird es in Zukunft dort zwar eine geweitete S-Bahn-Brücke, aber eine enge Fernbahnbrücke geben, und damit kein zweites Gleis und erst recht keinen Bahnsteig auf der GUB dort.

daran kann sich Preelbock auch einmal ein Bsp. nehmen. Der VCD versucht Einfluß zu nehmen mit realistischen Vorstellungen und nicht einmal pauschalen „passt mir nicht, gibt es nicht, gibt es nicht“. Was die S6 angeht, da stellt sich natürlich die Frage, warum Hamburg beim Bund nicht darauf dringt, den Bau des VET mit der S6 nach Osdorf zu verbinden. Denn letztlich werden an Hamburg eh 1 bis 2 Mrd. hängen bleiben und dann wäre eine gemeinsame Planung beider Projekte wirklich angezeigt.
INsgesamt zeigt der VET, daß Hamburg hier mit der falschen Motivation rangeht. Nur weil der Bund im Prinzip die Kosten übernimmt, ist das Projekt noch nicht sinnvoll: Es sollte wirklich geprüft werden, in wieweit ein sechsgleisiger Ausbau der Verbindungsbahn möglich ist (Bis vor Dammtor von Altona ist genügend Platz und dann vielleicht erst da einen Tunnel bauen bzw. zwei weitere Gleise außerhalb der Bahnhofshalle einrichten.
Das wirkliche Problem ist aber sowieso der HbF und da gibt es einfach keine wirkliche Lösung.

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