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Busbeschleunigung Hamburg: Im vergangenen Jahr ist wenig passiert

Seit vier Jahren sollte das Busbeschleunigungsprogramm in Hamburg fertig sein. Doch neue Senatszahlen zeigen: Die Ziele sind noch längst nicht erreicht. Im vergangenen Jahr gab es wenig Fortschritte. Stattdessen wurden Maßnahmen gestrichen. Eine Schlüssellinie ist sogar erst zu 20 Prozent umgebaut.
Christian Hinkelmann
Bauarbeiten für Busbeschleunigungsprogramm in Hamburg
Bauarbeiten an einer Busspur am Bezirksamt Eimsbüttel in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

„Das modernste Bussystem Europas“ soll Hamburg bekommen. Das versprach der frisch gewählte damalige Hamburger Bürgermeister und heutige Bundeskanzler Olaf Scholz im März 2011 in seiner ersten Regierungserklärung und beerdigte damit gleichzeitig sämtliche Straßenbahnplanungen in der Hansestadt.

Einige Monate später stand fest, wie der damalige SPD-Senat dieses Ziel erreichen wollte: mit vielen kleinen Maßnahmen in der ganzen Stadt – hier ein paar Busspuren, dort ein paar Vorrangschaltungen an Ampeln, modernere und längere Haltestellen, weniger Bushaltebuchten und mehr Fahrkartenautomaten, damit die Fahrgäste durch den Ticketkauf beim Fahrpersonal die Busse nicht mehr so stark aufhalten.

Zehn besonders wichtige Buslinien hatte sich der Senat ausgeguckt, die er in zwei Schritten bis 2016, bzw. bis 2020 vollständig optimieren und beschleunigen wollte. Dabei handelte es sich um die Metrobuslinien 1, 2, 3, 5, 6, 7, 20 23, 25 und 26. Dazu kam noch der punktuelle Umbau des Eidelstedter Platzes, von dem die Metrobuslinien 4 und 21 profitieren sollten. 259 Millionen Euro wollte die Stadt damals für das Busbeschleunigungsprogramm insgesamt ausgeben.

Im Spätsommer 2012 starteten in der Grindelallee die ersten Bauarbeiten und kamen zu Beginn auch recht flott voran: Ende 2014 ging die rundum beschleunigte Metrobuslinie 5 in Betrieb, Anfang 2016 folgte die Linie 7. Sie sind bis heute die beiden einzigen Linien, die wirklich komplett optimiert wurden. Auf allen anderen Strecken wurden die Planungen im Laufe der Jahre gebremst, gestreckt, verwässert oder verliefen sogar ganz im Sande.

Die Metrobuslinie 1 wurde beispielsweise schon nach wenigen Monaten wieder aus dem Programm gestrichen und tauchte im Jahr 2013 im damals vorgelegten Mobilitätsprogramm des SPD-Senats plötzlich nicht mehr auf (dafür kamen später die Linien 12, 14 und 15 neu hinzu). In der Stresemannstraße wurden die ursprünglich geplanten Busspuren für die Linie 3 Anfang 2014 aus Rücksicht auf den Autoverkehr wieder aus der Planung herausgenommen und in Winterhude wurde nach emotionalen Anwohnerprotesten nur eine Light-Variante der ursprünglichen Planung realisiert. Darüber hinaus zwangen immer lautere Proteste aus der Bevölkerung den Senat kurz vor der Bürgerschaftswahl 2015 so sehr in die Knie, dass er sich gezwungen sah, die Bürgerbeteiligung herauf- und das Bautempo herabzuschrauben. Die Folge: Das Busbeschleunigungsprogramm hing nun seinem Zeitplan zwei Jahre hinterher.

Busbeschleunigung ist noch weit vom Ziel entfernt

Bis heute ist die Verspätung noch weiter gewachsen. Vier Jahre nach dem eigentlich geplanten Projektende ist das Busbeschleunigungsprogramm (das der Senat nur noch „Busoptimierung“ nennt) noch immer weit vom Ziel entfernt.

Einige Linien sind erst zu 20 und 25 Prozent fertig und passiert ist im vergangenen Jahr nur wenig. Fortschritte auf dem Papier wurden offenbar auch erkauft, indem mehrere Maßnahmen aus den Plänen gestrichen wurden. In mindestens einem Fall wurde zudem das Ziel gesenkt, in einem weiteren Fall eine abgebrochene Teilplanung als „fertige Maßnahme“ verkauft.

Lesen Sie hier, wie weit die Busbeschleunigung in Hamburg derzeit ist, was auf den einzelnen Linien noch erledigt werden muss und bis wann das Programm nach aktueller Schätzung endlich fertig werden soll.

Busbeschleunigung ist erst zu 69 Prozent fertig

163 umgebaute Haltestellen, 143 Infoanzeiger, 60 zusätzliche Fahrkartenautomaten, 178 Ampeln mit eingebauter Vorfahrt für Busse und 315.414 Quadratmeter erneuerte Fahrbahnfläche: Die bisher erreichte Busbeschleunigungs-Bilanz nach 13 Jahren liest sich erst einmal beeindruckend.

Doch die Zahlen täuschen nicht darüber hinweg, dass das Programm noch ein gutes Stück von seinem Ziel entfernt ist. Erst 69 Prozent aller Maßnahmen sind bislang tatsächlich erledigt. 31 Prozent fehlen noch, wie eine NAHVERKEHR HAMBURG-Auswertung auf Basis neuer Senatszahlen ergeben hat.

Ein Vergleich mit Kennzahlen, die der Senat Anfang 2021 vorgelegt hatte, zeigt, dass der Busbeschleunigungs-Ausbau in den vergangenen drei Jahren nur mühsam vorangekommen ist und lediglich um vier Prozentpunkte zulegen konnte. Auf den am höchsten priorisierten Linien 2, 3, 5, 6, 7, 20 und 25 sind in diesem Zeitraum nur acht Haltestellen umgebaut, zwölf elekt…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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13 Antworten auf „Busbeschleunigung Hamburg: Im vergangenen Jahr ist wenig passiert“

Es wäre ein Leichtes alle Hamburger Ampeln an Straßen auf denen Busse fahren mit einem Ampelvorrangschaltsystem versehen würden. Dann hätten die Busse immer freie Fahrt (so läuft es zumindest in den Niederlanden). Aber viel zu viel Zeit warten die Busse gemeinsam mit den Autos vor roten Ampeln. Konsequente Ampelvorangschaltung erzürnt zwar die Autofahrer hätte aber einen positiven Beschleunigunseffekt für den ÖPNV und könnte durch Treibstoffminderverbrauch und dem Einsatz einer geringeren Anzahl von Fahrzeugen für einen Umlauf auch enorm Kapital und Betriebskosten sparen.
Aber letztlich wird Hamburg eine Beschleunigung und Attraktivitätssteigerung des ÖPNV nur mit der Wiedereinführung der Straßenbahn hinbekommen.

Ich möchte die Antwort gern selbst geben: Eine Stunde und zwanzig Minuten wäre ich mit Bus und Bahn unterwegs gewesen – je Richtung. In dieser Zeit sind andere schon fast auf Mallorca. Mit dem Wagen brauchte ich nur die Hälfte der Zeit – trotz Autobahnbaustellen. Ich denke mal, dass (fast) jeder Verständnis für meine Entscheidung hat. Wir brauchen weiterhin ein vernünftiges Miteinander von ÖPNV und Individualverkehr!

Seit wann gibt es denn ein „vernünftiges Miteinander von ÖPNV und Individualverkehr“? Die Mehrheit der Hamburger hat kein Auto oder nutzt es nicht täglich, ein Großteil der Hamburger nutzt den ÖPNV. Ich finde es vernünftig, wenn Autofahrer mal bisschen Platz abgeben müssen und bisschen mehr im Stau stehen. Denn: Man hat im Auto losfahren, wann man will, man hat seinen eigenen kleinen Raum, man kann laut Musik hören, man hat ggf. Klimaanlage und Getränkehalter. Und dann muss man auch noch überall am schnellsten durchkommen und vor der Haustür parken können? Das sind für mich in vielen Fällen (nicht in allen) Luxusfragen auf den Schultern anderer.

Und dann gibt es Autofahrende, die denken, sie könnten freie Bushaltestellen einfach mal zum Parken nutzen. Resultat: Haltestellen können gar nicht oder nur so angefahren werden, das insbesondere Rollstuhlfahrende und Rollatornutzende an diesen Haltestellen nicht ein- und aussteigen können.

Die Zahlen sind offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand. Bei der Linie 12 ist die Maßnahme 3 (Oberer Landweg) aktuell im Bau, die Maßnahme 4 (Kurt-A.-Körber-Chaussee) wurde im Dezember 2020 abgeschlossen und die Maßnahme 5 (Sander Damm bis Binnenfeldredder) im März 2022.

„mit vielen kleinen Maßnahmen in der ganzen Stadt“
Das stimmt nun leider nicht. Wenn man sich die Verteilung der betroffenen Linien anschaut, dann konzentrieren sich die Vorhaben natürlich auf einen ganz bestimmten Bereich der Stadt, und deckt sich auch mit einer bestimmten „Parteienpräferenz“. Und ja, die 7 ließ sich nicht verhindern, da sie eine der Problemlinien ist, und die 26 war sowieso als aller, aller letztes vorgesehen. Irgendwie als Alibi, so wie die dort immer mal wieder vorgeschlagene Stadtbahnlinie.
Mir ist das bereits vor zehn Jahren auf der Karte im Senatsheftchen „Hamburg fährt voraus“ negativ aufgefallen, dass ein großer Hamburger Stadtbezirk, in dem mangels Schnellbahnen das Meiste mit Bussen gemacht werden muss, wieder mal „hinten runter fällt“. Vor allem widersprach das meiner eigenen Erfahrung mit der Situation im Busverkehr bei uns. Als ich das bei einem Bildungsurlaub zum Thema Verkehrspolitik angesprochen hatte, war ich dann sowas wie der „böse Bube“.

Aber etwas Positives, und das ist ehrlich gemeint: Seit Ende letzten Jahres gibt es eine Ampelbevorrechtung auf der Linie 9 von Wendemuthstraße bis zur Zeit Kurfürstenstraße (und umgekehrt), die auch im Normalfall gut funktioniert und eine wirkliche Verbesserung in diesem Bereich gebracht hat. Ich hoffe, dass der Ausbau mit Anmeldeampeln mindestens bis einschließlich der großen Kreuzungen in Tonndorf weitergeführt wird, und es nicht beim jetzigen Umfang bleibt.

Das für mich enttäuschende ist, dass es diese Untätigkeit unter einem grünen Verkehrssenator gibt.
Egal, ob es sich um Fahrradweg-Neubau, die Velorouten, Busbeschleunigung, oder andere große Verkehrsthemen der Stadt dreht – es herrscht Stillstand, Verzögerungen, Streichungen oder Kürzungen von Maßnahmen, usw.
Stattdessen verkauft der Verkehrssenator ein paar Meter Protected Bike Lane irgendwo im Hafen pressewirksam als die große Verkehrs-Revolution.

Die Autofahrer-Partei SPD bremst halt wo sie kann. Sieht man gerade jetzt wieder sehr gut bei der Veloroute 1. Obwohl objektiv der Autoverkehr schon weit mehr Flächen in Anspruch nimmt als andere Verkehrsträger wird halt weiterhin so getan als würden nur noch die Radfahrer zu ihrem Recht kommen. Jeder Parkplatz wird verteidigt und mit Parkdruck begründet, obwohl ein Umsteuern absolut notwendig wäre.

So ist es doch gar nicht! Nach sechs Jahren war ich mal wieder im Harburger Theater. Die Parkplätze in unmittelbarer Nähe sind inzwischen umgewidmet worden – in Haltezonen, Plätze ausschließlich für Reisebusse, E-Fahrzeuge samt Ladesäulen und in überbreite Gehwege. Mit Glück hatte ich in 600 Meter Entfernung noch einen Parkplatz an jenem Sonntagabend gefunden.

Jetzt mögen einige denken, dass ich doch auch hätte mit Bus und Bahn anreisen können. Aber wie lange wäre ich da – quer durch die Großstadt – unterwegs gewesen?

Das Harburger Theater verweist auf dessen Homepage auf das Parkhaus in den Harburg-Arcaden.
Dort wäre sicherlich ohne viel Suchen ein Parkplatz zu finden gewesen.

Aber die lieben KFZ-Nutzenden wollen ja möglichst dicht am Ziel und möglichst günstig parken. Da kommt ein Parkhaus natürlich gar nicht erst in Frage.

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